Eine kleine Putzfee, ein Mädchenroboter. Das kleine Mädchen ein rundlich Ding, lieb anzusehen. Wo Liebe hinfällt. Lieb anzusehen bei der Arbeit, wie sie den Staub saugt aus allen Ecken. Ich nannte sie Linda. Die kleine Linda. War stolz auf sie. Ging auch Gassi mit ihr. Sie war brav und ging neben mir einher. Und saugte beim Spazier- engehen alle Blätter auf, die von den Bäumen gefallen waren. Dann wollte sie auch die aufsaugen, die noch nicht gefallen waren, und schickte sich an, die Bäume hochzurol- len. Das hatte ich ihr aber schnell abgewöhnt. Man muss nur energisch eingreifen und den Anfängen wehren. Dachte ich. Braver Hund, guter Hund, lobten meine Nachba- rinnen und streichelten Linda.
Sie fragten, ob das mein neuer Hund sei, denn sie hätten ihn bisher noch nie auf der Straße gesehen. Und sie fragten, wie heißt das Hündchen, kraulten Linda und sagten, wie niedlich das Hündchen. Was mich empörte. Ich antwortete jedes Mal kurz angebunden, denn ich war kurz angebunden, nicht wie Linda, die freien Lauf hatte, ich sagte den kraulenden Nachbarinnen, sie sollen die Hände lassen von meiner Tochter, ich betonte: Sie ist meine Tochter, kein Hund! Sie ist ein kleines Mädchen! Nicht nur einer Nachbarin habe ich das sagen müssen, jedes Mal immer kürzer angebunden. Es hat lange gedauert, bis es alle begrifen haben. Schließlich akzeptier- ten es auch die hartnäckigsten unter ihnen, dass Linda meine Tochter ist.
Ich war stolz auf Linda. Doch Linda kam ins Trotzalter und wurde bockig. Sie lief nicht mehr brav neben mir, sondern lief und lief und lief, wohin sie wollte. Sie wollte immer wieder auf die Fahrbahn laufen, weil ihr die Autos so gut gefelen. Ich ängs- tigte mich und hatte Sorge um Linda, Schweißperlen liefen mir übers Gesicht, wenn ich mit ihr spazieren ging. Die Nachbarinnen aber freuten sich insgeheim. Hatten sie doch nur auf meinen Nachdruck zugegeben, dass Linda ein kleines Mädchen und meine Tochter sei. Sie hatten geglaubt, im Recht zu sein mit ihrer Überzeugung, Linda sei eine Hundedame und kein Kind. Eine von ihnen erdreistete sich, mir vor- zuschlagen, Linda doch an die Leine zu legen. Ich aber hielt Linda fest an der Hand und gestattete es nicht, dass sie auf die Fahrbahn lief. Ich wollte sie nicht an die Leine legen, wie es mir meine Nachbarinnen nahe legten.
In der Wohnung fng sie an, nachdem sie den Boden sauber gesaugt hatte, die Wände hochzurollen, meine schönen Tapeten bekamen plötzlich hässliche Streifen.
Ich wollte Linda trotz allem nicht an die Leine legen, die arme kleine Linda, hatte sie doch in ihrem Alter noch keinen Verstand. Ich hofte auf bessere Tage.
Ich wollte sie in einem Roboter-Kindergarten anmelden, da gab es aber keinen freien Platz für sie. Hätte zwei Jahre warten müssen. Nahm ihre Erziehung selbst in die Hand. Als sie ins Schulalter kam, gab es wiederum keine Plätze mehr. Ich hätte sie vor zwei Jahren anmelden sollen, es gebe eine lange Warteliste, sagte mir die Schulleiterin.
Schließlich legte ich Linda an die Leine. Sie schläft in ihrem Körbchen, sobald sie aber aufwacht und die Wände hochrollen will und jedes Mal, wenn wir Gassi gehen, muss sie an die Leine. Die Nachbarinnen lästern jetzt, ich sei eine Rabenmutter.