Die Zeitschrift wird zur Plattform

Die SPIEGELUNGEN schlagen ein neues Kapitel auf: Aus der gedruckten Zeitschrift wird eine digitale Plattform. Ab sofort finden Sie hier neue multimediale Angebote sowie Beiträge aus früheren Druckausgaben im Open Access. Ab 2027 werden auch alle neuen Inhalte frei zugänglich sein – zum Lesen, Hören und Ansehen. 

Unsere inhaltlichen Schwerpunkte bleiben bestehen: Wissenschaft, Literatur und der Salon – das bisherige Feuilleton – bilden die zentralen Ressorts der Plattform. Gleichzeitig erweitern wir unser Angebot: Der SPIEGELUNGEN-Podcast wird in verschiedenen Formaten bereitgestellt. Digitale Tools ergänzen unser Angebot. Damit werden die SPIEGELUNGEN multimedialer, flexibler und zugänglicher. 

Wir laden Sie herzlich ein: Stöbern Sie, lesen Sie, hören Sie und entdecken Sie die neue Plattform.

Das Ressort Wissenschaft umfasst wissenschaftliche Aufsätze (durch Peer‑Review begutachtet), Arbeiten zu Quellen, Beiträge aus der Projektwerkstatt (besonders von Nachwuchsforschenden), Rezensionen wissenschaftlicher Werke sowie Berichte über Tagungen.

Das Ressort Literatur beinhaltet neue literarische Texte (Lyrik, Prosa, Gedichte) von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren aus Südost‑ und Ostmitteleuropa bzw. mit Bezug zu dieser Region, oft auch in Übersetzung.

Das Ressort Salon bietet kulturelle Essays und Reflexionen abseits rein wissenschaftlicher Darstellungen; es beleuchtet aktuelle kulturelle Entwicklungen mit einem regionalen Fokus auf Südost‑ und Ostmitteleuropa. Es enthält außerdem Besprechungen literarischer Neuerscheinungen.

Ausgabe 1/2026

Archive in Serbien

Ausgabe 1/26 der SPIEGELUNGEN begibt sich auf die Suche nach den vielfältigen Spuren deutscher und österreichischer Geschichte, die heute in Archiven, Bibliotheken und weiteren Institutionen der Republik Serbien bewahrt werden. Im Fokus steht dabei die Autonome Provinz Vojvodina im Norden des Landes. Mit ihren historischen Regionen Batschka, Banat und (Ost-)Syrmien war sie einst ein bedeutendes Siedlungsgebiet der Donauschwaben. In mehreren fundierten Beiträgen werden Bestände beleuchtet, die Einblicke in ihre Lebenswelten eröffnen – ebenso wie in Alltag, Kultur, Traditionen und Institutionen anderer deutschsprachiger Bevölkerungsgruppen auf dem Gebiet des heutigen Serbiens. Dabei spannt die Ausgabe einen Bogen über verschiedene historische Epochen und macht ein facettenreiches kulturelles Erbe sichtbar.

Schwerpunktthema

Essen und Trinken

Mit unterschiedlichen regionalen und historischen Zugängen fokussieren die Beiträge auf die Zusammenhänge von historischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie kulinarischen Praktiken, sprachlichen Beeinflussungen, die Rolle von Kochbüchern und Fragen der regionalen Identität, die sich in Ess- und Trinkgewohnheiten ausdrücken. Vielfältige kulturelle Verflechtungen zwischen den in Südosteuropa beheimateten Deutschen und ihren ethnischen Nachbarn werden dabei sichtbar gemacht.

Zwischen literarischem Feilen und ,,orientalischem Feilschen“

Kristiane Kondrat erinnert sich an ihren Mentor Franz Liebhard, der sie in den 1960er-Jahren in den Temeswarer Schriftstellerverband eingeführt und zum „Feilen“ an literarischen Texten ermutigt hat. Sie spricht über die Empfehlungen und Ratschläge des Expressionisten, der sie an die Wiener Moderne herangeführt hat, und die gemeinsamen Erfahrungen in Temeswarer Literaturkreisen. Zudem geht sie auf das „orientalische Feilschen“ mit Zensoren und auch darauf ein, worüber man damals nicht gesprochen hat.

Nelio Biedermann: Lázár

„Am Rand des dunklen Waldes lag noch der Schnee des verendeten Jahrhunderts, als Lajos von Lázár, das durchsichtige Kind mit den wasserblauen Augen, zum ersten Mal den Mann erblickt, den es bis über seinen Tod hinaus für seinen Vater halten wird.“ (S. 11) Was für ein Romanbeginn! Nelio Biedermann schreibt ihn in seinem gerade erschienenen Buch Lázár und legt im Grunde alles hinein, was diese Familiengeschichte, die zugleich ein Panorama des 20. Jahrhunderts ist, auf den folgenden über 300 Seiten zu bieten hat. Der „dunkle Wald“, der Abenteuer und Schrecken gleichermaßen verspricht, das „verendete Jahrhundert“, das seine Schatten über die Familie wirft, Lajos’ „Durchsichtigkeit“ und seine Beziehung zu einem Mann, der nicht sein leiblicher Vater ist und das – im Gegensatz zu Lajos – wohl weiß, aber erfolgreich verdrängt, prägen die Erzählung, deren Sog man sich schwer entziehen kann.