Die Notizen über die Welt aber
sind zu jedem Zeitpunkt einzigartig.
Ich notiere:
Nun müssen dafür Worte, wie Blumen, entstehen.
Einzigartig, der den Mond zornig erleidet
und in seinem Gedächtnis dich nicht findet.
Erleichterung wäre wem, die Himmlischen zu schauen,
Sehnsucht und Ekel in andere Sprachen
zu übertragen?
Die entpflichtende Geduld ist dein Erbe.
Notiere: Macht zu fehlen und zu vollbringen,
keine.
Mitten in der Nacht, in welchem Land,
mehr als am Fragenden,
verzweifelst du an deiner Antwort:
Ich bin´s doch! Ich bin es!
Bleibt die Frage an die Frage selbst:
Wer denkt dich aus?
Keine Macht sind wir.
Im Winter-Gedächtnis das verwundete Wild
verzehrt sich im Dunklen des Waldes.
In Wehmut die Betrachtung.
Ich notiere: Unzubereitet,
ja schon unbelaubten Gedanken gleich.
Der Verstand verliert sich.
Ängstliche Wut im Gestrüpp,
gefrorenes Wasser, Seelenlärm,
in Asche ein Dolch,
harte, turmhohe Schatten,
sie anbellenden Hunde-Väter.
Nicht jede Antwort entstammt einer Frage.
Inniger und achtsamer auch,
aber mehr mit sich selbst,
wird weiterverhandelt:
Als ob ich eine Tochter hätte, und dabei
habe ich irgendwo eine Tochter.
Notiere:
Das Hohe fühlt sich,
draußen stürmt es,
auf dem Balkon toben die Begonien,
als wollten sie sich aus der Erde reißen,
in die Tiefe stürzen.
Drinnen verschläft der Gehütete den Tag.
Nachts dann irrt er herum,
bittet, heimgehen zu dürfen.
Notiere:
Das Hohe fühlt sich…
Was zu bewahren gilt,
entscheidet die Willkür ihm,
alles ist Schicksal, für wen
schlagen die Priesterinnen-Herzen
höher?
Dies ist sein Verstand
und zu keinem Zeitpunkt
ist es deiner.
Notiere: Er ist daheim. Antworte, einzigartig
der heimliche Ort zwischen gestrichenen
Worten: in deinem Geiste die Sterblichen
die dich lieben.
Draußen wieder sonnige Stunden,
höre, unten, vor dem Laden
schimpfen drei Frauen
über unmenschliche Preise.
Nicht jede Antwort entstammt einer Frage.
Ich notiere:
Aber so ein strahlend blauer Himmel
ist gottlos, doch nur ein kahles Feld.
Hätte gerne Wolkenbilder, edle Tiere,
die ihr Haupt besorgt senkten hinab,
hätte gerne doch diese himmlischen Liebeszeichen
für uns hier unten, die in einem der aufgetürmten
Hütten aus Beton,
verschämt…
wir schweigen.
Ich lese: und hüllet sich ein ins…
Mensch.
Werden aus Töchtern gute Wächterinnen,
die dem Schlaflosen jede Nacht die Zeile vorlesen:
Der Schlaf nur ein Stoß ins Horn des Wortes.
Die Rose, die Väter, der Hirsch sind
in wessen Gedächtnis treue Namen?
Macht zu fehlen und zu vollbringen
fühlt sich an, wie ein neuer Verstand.
So notiere über ihn:
Er wachse und werde Wald.
Letzte Stunden in welchem Wald,
dem stammelnden Staunen doch näher,
reden willst du über schöne,
traurige Gedichte.
Notiere:
Und dich nicht finde.
Zupfend an Halmen und Blumen
schon, schon
ein Menschenhaupt,
das sich beugt
und die fröstelnde Luft
um die Blumen fürchtet.
Doch wieder mit
(2) frechen Händen und
(a)heimlichen
(b)ungewohnt
(c) heimlichen
verschlossenen Herzen rauben
die ewig andren, ihm den Schlaf.
Wer nehme, wenn es so bleibt,
wenn das ein Winter ist,
das Gedächtnis, die Worte
mir aus dem Mund.
Kein Trost sind wir,
Lásd, sors mint sír.
Sieh, wie weint das Schicksal.
Lásd, sors mint sír.
Kein Trost sind wir.
Verstand, inniger und achtsamer auch
übe dich weiter in
entpflichtender Geduld
zu den Götterähnlichen.
Leicht nicht,
wenn Einzigartiges Einzigartiges rettet.
Notiere: Und diese Zierde geordnet.
Noch Eines ist zu sagen:
Dass die dunkle Sprache und die Wehmut
der Betrachtung keine Poesie mehr ergebe,
kann nicht sein.
Das Gedicht wurde von Hölderlin-Manuskripten des Spätwerks inspiriert und bei der Veranstaltung »Hölderins Echokammer – Eine Antwort« im Rahmen Literatursommers 2020 der Baden-Württemberg-Stiftung vorgetragen.