https://doi.org/10.82486/sp.2023.06.1546

Gedichte von Yvonne Livay

Asche I

in Erinnerung an Naomi Pittel (Pitjel)
(Tochter von Mary Zilzer-Pittel-Fuchs)

Da Sein im
Nichts
im Staub der
Dinge

auf
der Neige

Aufrecht
keimen Worte im
Jetzt

im Spiegel der
Flammen

Sie leuchten
taghell

schweigen
um Steine

Asche II

Züge
rollen meerwärts
den
Träumen nach

Hell
rinnt Silber
stumm
in Schalen

färbt
das Dunkel
um

Über Klüften
schweigen
Winde
weich
und tönern

Ruf mich
wenn
die Wasser
fallen

Asche III

Zwischen Dünen
rollt
es sich mit
Mühe

Sand
strömt
heiss auf
Muscheln

hart
und kantig

Möven
gleiten fach
den
Fischen zu

blau
und glänzend

Asche IV

An der Grenze
zwischen
Tag
und Himmel
bricht
die Helle
in
den Kelch

löst sich
wirr

Nacht
wiegt Hofnung
neu

dreht sich
kühl

Asche V

Jasmin
im Spätherbst
klingt
verwittert
in den Winden

führt
an Orte ohne
Ziel

Und
der Karren
rollt
vergeblich
durch
die Sperre

durch
die spröden
Äste

Asche VI

Sonnenfahl
zerfallen Zelte
und
das Gelb
wächst
tückisch eng
um
Stunden

Hinter Dünen
lodern
Flammen
unverhohlen

drängen sich um
Fels
und Strände

Aschen
wogt die Flut
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Asche VII

Hart
stöhnt Erde
unter
Schritten

eisig
gläsern

Tage
strömen traumig
aus
den Wolken

drängen
sich ins
Hell

Hand in Hand
zerfallen
Kreise
über Feldern

Blüten
singen

Traces I

Zwielicht
an der
Regengrenze

Tage
keimen
aus
dem Nichts

Traces II

Eng
sind Wege
und
verborgen

Alte Lieder
brennen
hinter Mauern

vor der Nacht
in
Tiefen

Traces III

Spuren
zwischen Meeren

tief
im Wellenrand
verwundet

Trunken
reißen Ströme
Ahnung
nachtwärts

Blaue Wünsche
ankern
schwer im Sand

Zeig mir neue
Ufer