Spazier me rum
Für Tata
Poarta ramponiert
mehrfach abgeklebt
demontiert
Ornamente repatriiert
stimmungshoch
bidoane im Hinterhof
Minium-rot
unterm Staubmantel der Diktatur
parkiert
Skoda 1000 MB
PS auf der Kippe, Morgenpfiffe
Snagov in de Gosch
der Chef de Ekipa hechtet
in sein Kellerbüro
Flüche Cognac-juweliert
Rauchschwaden &
cafeluțe catifelate
die ganze Gaschka
rebelliert und diskutiert
mit der Leiter ufm Buckel
ohne Parteibuch
herausgekrabbelt
geh me weide
auf die Baustellen
la spitalul undeva
in die Parteigarage
pile câteva
unerhört verhört
Tschossy kommt übermorgen nach Temeswar
geh me weide
noch nit zhaus
so a gude Luft ufm Traiansplatz
a Koppweh vom kalten Rauch
Gleisbett schlooft
ti Schichtarbeiterinnen
ti Sechser
ti Haberers
ti Heldn der labyrinthischen Gassn
Fabric Underground
Schaufenster mignon, die Puppenfabrik im Hinterhof
häkelt Glückssträhnen auf FB,
geh me weide
Aus dem Rumänischen
poarta – Tor
bidoane – Kanister
pile câteva – Beziehungen
cafeluțe catifelate – feine Kaffees
Tanz in den Mai
Fabrikstadt & Stefania-Palais Temeswar
Die Elektrische rauscht durch den Flieder
de 1 Mai, kaum ein Gast
Rauchschwaden wabern
Mici-Teller Granate
ein Männchen an der Haltestelle
was willst noch desinfizieren
Venezia ohne Gondoliere
Marmorpaläste im Gras
so ein Affentheater auf der
Schapka
die Poarta Secession pur
schlägt Alarm
durchs makellose Vorzimmer
nach Anno dazugemalt
zwei, drei Generationen
tanzten in den Mai
Wände eingerissen
mal Ballsaal
dann Metzgerei der leeren Regale
die Diktatur wetzte die Messer
über die Theke wanderten
Haut und Knochen
Ausverkauf im Zeitungspapier
Underground an die Jugendstilbar
Tauben kicken mit Brotkrumen
urbane Melancholie
ohne Operette & Retroschal
Aus dem Rumänischen
de – zum
mici – Hackfleichröllchen
poarta – Tor
zeig uns noch einen Hinterhof cu Blick
ohne Sprachbarriere
in den Hinterhof cu Blick
die Klamotten stinken nach Fabrik
Regen prasselt aufs Kopfsteinpflaster
auf der Bank, Michelangelo
im Wolkenkoma
die Schaffnerin rüttelt am macaz
das Schienenbett hellwach
im Salon kitten Architekten
virtuelle Holzkirchen
Gräfin Mierbach blinzelt von der
brüchigen Fassade
smaragdgrüner Zerfall
auf Regina Elisabetas Technoball
Tauben, Krümel,
allerlei Schrittkombinationen
Azur an der Bega
das Waschmitteluniversum
un soi de basm
Aus dem Rumänischen
cu – mit
macaz – (Eisenbahn)Weiche
un soi de basm – eine Art Märchen
Texturtropfen aus dem Modern
Temeswar
Entree gelüstert, ungeliftet
die Decke ein lachsrotes Baiser
die Kuppel erdichtete der
Secessionscouturier
eine Muschel apricot
sie trägt ein Kleid mit Sommersprossen
mit Pepita und Tupfen gepfeffert
Ajour, Belle de Jour
alles günstig zu haben
die Preise unschlagbar
globalisierte Netzstrumpfhosen
Chiffon oder Seide
fürs Dirndl, duduies
ein Dutzend Abendkleider
Kirchweihaccessoires
im Retroglück erstickt
zur Anprobe in den Durcheinanderhof
ziselierte und zensierte die Chefin der Schneiderin
an der Singer-Nähmaschine
Gekicher, vergilbte Neckermann-
kataloge aus den Seventies, den Sixties
bei der Nahtlänge geschummelt
tanzen die Puppen am seidenen Faden
Hüte bordeaux, die Saison aus der
Schachtel überholt, sperrige Kleider
zwischen Steppdecken
Schweiß auf der Stirn
Klimawandel auch in Temeswar
über die Wendeltreppe
in den Keller geschlürft
Schwarzgold, ein Männerhemd aus Leinen
Folklore pur
das Modern im Zeitlupentempo
die Verkäuferinnen nicht aus der Ruhe zu bringen
kastanienbraune Welle, Minnitant
umkränzelte die Kundinnen
wie eine Bonbonniere
ein Temeswarer Ritual
am Eingang, der Ausgang
ein Sammelsurium Emaille
aus der Sommerküche
Schnitte und Schritte
durch die geschrumpfte
Wandelhalle
an Kornblumenkordeln entlang
durch fluffige & ausgelassene
Erdbeerkleider geschlüpft
Metamorp-hosen
mein Stoffreservoir
noch nicht erschöpft
…
ein Leinentraum für ein Trägerkleid
liegt auf dem Wohnzimmertisch
Tropfen für Tropfen
bei der Schneiderin war ich noch nicht
Aus dem Rumänischen
duduies – Fräuleinchen