https://doi.org/10.82486/sp.2025.11.705

Gedichte

wieder schlage ich das heft auf

wieder schlage ich das heft auf schreibe

die nächste zeile

nichts!

heut morgen

die beine

eine handbreit überm knie

erzittert der rock

zwei schwarze augen

otschi tschornyje … otschi strastnyje

die brünetten sind geil!

sagt der milizmann

hab mitleid mit diesem lausigen kerl!

nachts am Ghica-Tei 

und seither

herrschen der krach und der zorn

avant et après

zu etwa 70 bis 80 %

und ich bin … schon

am finish

wie falsch sich das anhört

aus meinem munde –

schon.

november – unschuldslamm

fingerdick der staub auf den dielen

zwei bananen auf dem schwarzen schrein

zwei neue pampuschen neben dem sessel …

neu? zwei?

aug in aug

wir beide

du auf dem bild

ich versunken in deinem fauteuil

einst war er grün, jetzt ist er braun

und der oktober geht zur neige

wart ab, wie der november wird

„ein unschuldslamm“, hätschelte ihn

Maria Banuş

repetitio est mater studiorum!

wie ist wohl der herbst

in jener welt

mit ausgestopften pferden in den alleen

    und du, fühlst du

       wartest du

          willst du noch?

der packard und die hyäne

seit vielen nächten schon heult die hyäne

neben vaters packard … es regnet draußen

’s ist vollmond wie im traum eines alten du bist noch ein kind

draußen bläst der wind hilf mir die treppe hoch geschwind

ein kellner wohnt unterm dach, er ist stumm

und bedient in der kaserne

Ana Kelemen weißt du noch

wie er dich aufs bett legte

dir die bluse aufknöpfte

mit den zähnen

eine brise wehte romanzen erklangen

nur ihm gefror das lied auf den lippen

das gelbe triste meer blökt

wie eine eilig ausgedrückte zigarette

an fremdem ufer

nur vaters packard und die hyäne

verschwinden wie der leuchtturm im nebel

peu à peu

jenseits der tür

warum nur nachts

das martinshorn der rettungswagen

hundegebell

das taube quietschen des holzes

jenseits der tür

ich habe wohl den fernseher angelassen

warum nur nachts

der japanische fischer

harakiri begeht

mit einem bambusschwert

die ehre gebietet es

das blut gehorcht

comme il est noir le rouge

bei der teezeremonie

im 10. stock

warum bist du damals in rotterdam

geklettert auf den fenstersims

im 10. stock

hast ihr zugewinkt weil alle

blondinen mutter glichen …

rote stiefel hatte sie an

hielt an der ampel

vater grün angelaufen

mit dem bogen in der hand

sie wollte die straße überqueren

zwischen den heißen schlitten

der wind hat mir

ein lied erzählt

und vaters bogen

zerstäubt den schnee

hörst du sie heulen

es ist als sähe ich dich gähnen

sähe wie dir das buch aus der hand fällt

wie dein auge unterm lid verschwindet

Fjodor Michailowitsch

­­– der name nach dem der vorhang fällt –

hörst du sie schreien die amazonen

hörst du sie heulen die hyänen

um die schreibmaschine herum

Fjodor Michailowitsch

o rhythmischer lärm

des eingeschneiten schredders

am berghang

o ja ich erinnere mich

an die pietät, sagst du

du da mit den milchzähnen

sie hat heiße brüste und schenkel

in deinen händen Fjodor Michailowitsch

wer folgt

wer ist dran


Aus dem 2023 erschienen Band Fetiţa strigă ȋn pahar [Das Mädchen schreit ins Glas].