Über Peter Motzan haben viele lobend – wie denn sonst? – geschrieben. Denn selten begegnet man jemandem, der so intelligent, gebildet, wissbegierig, kreativ und geistreich ist. Um nur einige seiner vielen Eigenschaften zu nennen. Für mich ist er ein Literaturwissenschaftler, ein Literaturkritiker, ein Germanist, ein Übersetzer par excellence, aber auch ein bescheidener, respekt- und verständnisvoller Mensch. Er weiß es nicht, aber ich habe vieles von ihm gelernt, und bestimmt nicht nur ich, weil er nicht nur ein hervorragender Philologe, sondern auch ein begnadeter Menschenkenner ist, der mir in vielen Situationen die klügsten Ratschläge zu erteilen wusste. Den Mailverkehr mit mir unterschreibt Peter mal witzig und informell: Petrică cel Bătrân, Petrică Grăbitu / Petrică cel grăbit, Petrică Noptaticul, mal ernsthaft und formell: Euer stets ergebener Peter Motzan. Wie dem auch sei, seine Mitteilungen sind stets wohlwollend, freundlich, entgegenkommend. Sie enthalten ein gutes Wort, einen hilfreichen Tipp, einen treffenden Kommentar, ohne steif, überheblich und eingebildet zu klingen. Subtile Ironie wird meistens in eine blumige Sprache verpackt. Faszinierende Anspielungen, ausgefallene Wortspiele, intertextuelle Bezüge fehlen nie in seinen Äußerungen.
Ich bin ihm oft auf Germanistiktagungen in Deutschland und Rumänien begegnet oder bei von ihm moderierten Lesungen mit rumäniendeutschen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, waren doch seine Forschungsschwerpunkte Sozialgeschichte der deutschen Regionalliteraturen Südosteuropas und neuere deutsche, rumänische und rumäniendeutsche Literatur des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Arbeitsbereichen zählen bekanntlich deutsch-jüdische Literatur in der Bukowina, deutschsprachige Autoren aus Ostmittel- und Südosteuropa im 20. Jahrhundert und Erscheinungsformen der Mehrsprachigkeit in den Literaturen Südosteuropas. Wer die deutsche Sprache liebte und pflegte, konnte die einzigartigen Formulierungen, die gelungenen Wortspiele und tiefgründigen Nuancierungen von Peter Motzan anlässlich der groß angelegten wissenschaftlichen oder literarischen Veranstaltungen nur bewundern und in vollen Zügen genießen. Seelisch und fachlich ermutigt und bereichert verließ man den Raum, um zu Hause den Faden seiner gehaltvollen Betrachtungen und Überlegungen in Ruhe weiterzuspinnen.
Peter Motzan ist ein Experte im Erklären und Erzählen, versteht es, gekonnt und meistens augenzwinkernd das Wesentliche in einem Gespräch hervorzuheben. Es ist wohl kein Zufall, dass er am 7.7. geboren wurde. Die Zahl Sieben gilt als Glückszahl oder magisch-mystische Zahl, die Vollkommenheit und Ordnung symbolisiert. Es heißt, man fühlt sich »im siebten Himmel« oder man packt »seine Siebensachen« oder man hat vielleicht »nicht alle Sieben beieinander«, aber auch gegensätzlich »eine böse Sieben«. In vielen deutschen Märchen kommt die Sieben vor: Schneewittchen und die sieben Zwerge, der Wolf und die sieben Geißlein, die sieben Raben, Siebenmeilenstiefel, unter anderem. Man denkt auch an die sieben Weltwunder der Antike, an die sieben Sakramente oder an die sieben Todsünden, denen die sieben Tugenden gegenüberstehen. Die Zahl Sieben nimmt in der jüdischen Tradition sowie in anderen Kulturen eine herausragende Stellung ein. Sie steht für die Perfektion des Schöpfungswerks und der natürlichen Ordnung.
Für mich bedeutet der Literat und Exeget Peter Motzan Ordnung und Perfektion im Verfassen von Büchern, Vor- und Nachworten, Studien, Aufsätzen, wissenschaftlichen Beiträgen in Zeitschriften und Sammelbänden, Rezensionen, bei Textinterpretationen, in der schriftlichen oder mündlichen Kommunikation, bei Übersetzungen. Sein Sprachempfinden ist außergewöhnlich, sein Wissen überwältigend. Wer Peter Motzan mal im Leben begegnet ist, kann sich glücklich schätzen.
Erlaube mir, lieber Peter, dir mit den Worten von Franz Kafka zum 80. Geburtstag zu gratulieren:
Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
La mulţi ani cu sănătate şi cu zâmbete, dragă Peter!