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»Mythisches Transsylvanien«: 30. Internationale Siebenbürgische Akademiewoche

Die 30. Akademiewoche von Studium Transylvanicum, die vom 17. bis 21. August 2015 in Katzendorf (rum. Caţa, ung. Kaca) stattgefunden hat, bietet einen guten Anlass, um Rückschau zu halten und die vergangenen Jahre dieses offenen Kreises Siebenbürgen-interessierter Jungakademiker Revue passieren zu lassen. Gegründet wurde Studium Transylvanicum 1986 noch zu Zeiten der geschlossenen Grenzen. Daher lag es nahe, in Deutschland zu tagen, anstatt den umständlichen – und nicht immer möglichen – Weg nach Rumänien auf sich zu nehmen. Immer zu Sylvester traf man sich zur damals noch so genannten »Ferienakademie«. Ebenso wie heute standen die Akademien immer unter einem zentralen Thema, zu dem Vorträge, Workshops und vieles mehr stattfanden (und -finden). 2008, in dem Jahr als auch die Autorin dieses Textes zum ersten Mal teilnahm, veränderten sich die Abläufe grundlegend: Nicht mehr in Deutschland, sondern in Siebenbürgen wurde getagt; nicht mehr zum Jahreswechsel, sondern im Spätsommer kam man nun zusammen. Und aus der »Ferienakademie« wurde die »Akademiewoche«.

Mit dem Ortswechsel befand man sich nun mitten im Gegenstand und Raum der akademischen Beschäftigung. Inspiriert von der besonderen Atmosphäre der Tagungsorte, waren nun auch Exkursionen möglich, die in verschiedene Städte wie Klausenburg (rum. Cluj-Napoca, ung. Kolozsvár) und Schäßburg (rum. Sighișoara, ung. Segesvár), aber ebenso zu den unterschiedlichsten Kirchenburgen und anderen Erinnerungsorten der siebenbürgischen Ethnien führten. Neben den Ausflügen zu geschichtsträchtigen Gemäuern standen auch andere eindrucksvolle Begegnungen auf dem Programm: Lesungen von Frieder Schuller (2012 und 2015) und Eginald Schlattner (2013) oder der bewegende Bericht Kurt-Felix Schlattners aus seiner Zeit im kommunistischen Gefängnis (2014) und die Begegnung mit der 93-jährigen Siebenbürgerin Ilona (2015), die aus ihrem bewegten Leben erzählte, ließen Geschichte(n) greifbar werden.

Studium Transylvanicum wechselt die Tagungsorte und zieht durch Siebenbürgen: 2008 und 2009 diente die Kirchenburg in Deutsch-Weißkirch (rum. Viscri, ung. Szászfehéregyháza) als stimmungsvolle Kulisse der akademischen Betätigung, 2010 ging es nach Wolkendorf (rum. Vulcan, ung. Szászvolkány) und 2011 erst in luftige Höhen auf den Schuler (rum. Postăvarul, ung. Keresz tényhavas) und dann nach Kronstadt (rum. Brașov, ung. Brassó). Das Schloss Bethlen in Kallesdorf (rum. Arcalia, ung. Árokalja) rahmte die Akademiewoche 2012; 2013 tagte Studium Transylvanicum dann nach Michelsberg (rum. Cisnădiora, ung. Kisdisznód) und 2014 in Probstdorf (rum. Stejărișu, ung. Prépostfalva).

Im Jubiläumsjahr 2015 kam Studium Transylvanicum in Katzendorf zusammen, um im Themenfeld »Mythisches Transsylvanien« den wissenschaftlichen und künstlerischen Austausch zu wagen. Frieder Schuller, der diesjährige Gastgeber, beherbergte auf seinem selbst fast schon ›mythischen‹ Pfarrhof 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Autor und Filmemacher hatte den Pfarrhof, auf dem er aufwuchs, nach der Revolution 1989 gepachtet und ihn Stück für Stück restauriert. Es entstand ein wunderschöner Ort, der einen inspirierenden Rahmen für die 30. Siebenbürgische Akademiewoche bot. Neben der Internationalität – die TeilnehmerInnen kamen u. a. aus Deutschland, Luxemburg, Österreich, Rumänien, Schweden und Ungarn – zeichnet Studium Transylvanicum auch Interdisziplinarität – HistorikerInnen, Literatur-, Kultur- und ReligionswissenschaftlerInnen sowie RestauratorInnen waren vertreten – aus. Diese Vielfalt schlägt sich auch in der Bandbreite der jährlich wechselnden Themen nieder: von »Alltag« über »Konflikte« bis hin zu »Glorifizierung« – Studium Transylvanicum nähert sich seinem Untersuchungsgegenstand Siebenbürgen auf den unterschiedlichsten Wegen. Was die Zukunft diesem offenen, akademischen Kreis bringt, ist offen; doch bis dahin lässt sich die Geschichte von Studium Transylvanicum in der vom IKGS herausgegebenen Festschrift »Die Dreißigste Internationale Siebenbürgische Akademiewoche 1986–2015« noch einmal im Detail nachlesen. Die Festschrift »Die Dreißigste Internationale Siebenbürgische Akademiewoche 1986–2015« kann unter st@siebenbuergen-institut.de bestellt werden.

Friederike Mönninghoff

Erschienen in: Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Heft 2 (2015), Jg. 10 (64), Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, S. 251–252.

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