https://doi.org/10.82486/sp.2023.12.1207

Aus dem IKGS 2/2023

Berichtszeitraum: Februar–September 2023

Reise in die Ukraine: Projekte, Bukowinahilfe und eine Ehrung

Die von IKGS-Direktor Dr. Dr. h. c. Florian Kührer-Wielach vom 26. bis 28. Februar 2023 unternommene Reise in die ukrainische Nordbukowina hatte mehrere Ziele: Einerseits konnten gemeinsam mit Mitarbeitern der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz/Tscherniwzi im rumänischen Suceava Hilfsgüter besorgt werden, insbesondere Medikamente und Lebensmittel. Außerdem besuchte Dr. Dr. h. c. Florian Kührer-Wielach während seines Aufenthalts in Czernowitz und Umgebung mehrere im Aufbau befindliche Museen, die im Rahmen des von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien geförderten und vom IKGS abgewickelten Kulturgutschutzprojekts Schutz von Kulturgut und Kulturerbe in der Bukowina: Sprachen, Konfessionen und Kulturen – Stadt und Land in Wechselwirkung unterstützt wurden. Einen Höhepunkt der Reise stellte die Verleihung der Ehrendoktorwürde an den IKGS-Direktor dar, die der Akademische Rat der Universität in seiner Sitzung vom 28. November 2022 beschlossen hatte. Diese Ehrung sollte die über viele Jahre andauernde, insbesondere im letzten Jahrzehnt intensivierte Zusammenarbeit zwischen dem IKGS und der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz bekräftigen.

Vorlesung: Drei jugoslawische Staaten. Die Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert

PD Dr. Angela Ilić hielt im Sommersemester eine Online-Vorlesung zur Geschichte Jugoslawiens an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

Buchvorstellung: Temeswar/Timișoara. Kleine Stadtgeschichte

Am 27. April 2023 stellten IKGS-Mitarbeiter PD Dr. Tobias Weger und der stellvertretende Vorsitzende des IKGS, Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, ihre gemeinsame Publikation Temeswar/Timișoara. Kleine Stadtgeschichte im Centrul de proiecte [Kulturhauptstadtbüro] sowie im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar/Timișoara, Rumänien, vor. Das Buch erschien Anfang Februar 2023 im Verlag Friedrich Pustet.

Buchvorstellung: Temeswar/Timișoara. Kleine Stadtgeschichte

Am 29. April 2023 stellten IKGS-Mitarbeiter PD Dr. Tobias Weger und der stellvertretende Vorsitzende des IKGS, Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, ihre gemeinsame Publikation Temeswar/Timișoara. Kleine Stadtgeschichte im Kultur- und Dokumentationszentrum der Banater Schwaben in Ulm vor.

Internationales Symposium: Humanität und Humanities

Am 8. Mai 2023 fand an der Universität Wien das internationale Symposium Humanität und Humanities: Herausforderungen für Wissenschaft und Kultur im Zeichen von Krieg und Krisen – Kulturerbe, Netzwerke und Kommunikation statt. Im Rahmen von zwei Vortragspanels und einem Runden Tisch wurden die zentralen Herausforderungen, die der Krieg in der Ukraine für die Humanities mit sich bringt, vorgestellt und diskutiert. Ausgehend vom Beispiel der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz/Tscherniwzi, deren Hauptgebäudekomplex zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, setzte sich das Symposium mit Fragen zur digitalen Transformation im Kulturgutschutz, zum humanitären, zivilgesellschaftlichen Engagement auf Basis wissenschaftlicher Netzwerke und zur Positionierung von Forschenden im öffentlichen Diskurs hinsichtlich des Krieges in der Ukraine auseinander. In den Fokus rückten Aspekte eines gemeinsamen zentraleuropäischen Kulturerbes, der Leistungs- und Anpassungsfähigkeit von akademischen Netzwerken und der professionellen Wissenschaftskommunikation.

Das von Dr. Dr. h. c. Florian Kührer-Wielach initiierte und konzipierte Symposium wurde vom IKGS gemeinsam mit der Historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, des Research Center for the History of Transformations (RECET), der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz sowie mehreren Kooperationspartnern organisiert.

Buchvorstellung: Temeswar/Timișoara. Kleine Stadtgeschichte

Am 16. Mai 2023 stellten IKGS-Mitarbeiter PD Dr. Tobias Weger und der stellvertretende Vorsitzende des IKGS, Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, ihre gemeinsame Publikation Temeswar/Timișoara. Kleine Stadtgeschichte im Haus des Deutschen Ostens in München vor.

Projektvorstellung: Altösterreich am Ende? – Skizze für eine deutsch-österreichische Entflechtungsgeschichte

IKGS-Direktor Dr. Dr. h. c. Florian Kührer-Wielach stellte im Rahmen des Jour Fixe Kulturwissenschaften des Instituts für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am 25. Mai 2023 sein Projekt Altösterreich am Ende? Eine deutsch-österreichische Entflechtungsgeschichte vor. Das Projekt widmet sich diesem Prozess ab 1918 aus einer »altösterreichischen« Perspektive. Im Mittelpunkt stehen dabei deutschsprachige/deutsche Gruppen, die ihre Lebenswelt in der Donaumonarchie hatten, jedoch nach dem Ersten Weltkrieg außerhalb der österreichischen Grenzen lebten beziehungsweise leben. »Das Österreichische«, »das Deutsche« sowie das ethnoregional-konfessionell »Eigen-Sinnige« werden dabei als volatile, teils sich überschneidende, teils konkurrierende Konzepte zugeschriebener Zugehörigkeit verstanden, die sich in ihrer (wechselnden) Beziehung zu staatlichen, kulturellen wie sprachlichen »Heimaten« ausdrücken. Dieser eng mit den Gewaltereignissen und Migrationsprozessen des »langen« 20. Jahrhunderts verbundene Entflechtungsprozess wird mittels einer historischen Diskursanalyse nachvollzogen.

Ausstellung zur Alltagsgeschichte im Banat

Vom 2. bis 4. Juni 2023 wurde am Domplatz in Temeswar/Timișoara, Rumänien, die Ausstellung Die Alltagsgeschichte der Deutschen im Banat im 20. Jahrhundert in Fotos aus Familiensammlungen gezeigt, die von Dr. Corneliu Pintilescu, assoziiertem Wissenschaftler des IKGS 2023, im Rahmen eines vom Kulturwerk Banater Schwaben geförderten, gemeinsam mit dem IKGS und dem Demokratischen Forum der Deutschen im Banat durchgeführten Projektes erarbeitet wurde.

Die Ausstellung fokussiert auf die Auswirkungen bedeutender historischer Ereignisse und Phänomene auf das Alltagsleben der Deutschen aus dem Banat im 20. Jahrhundert. Hierzu zählen unter anderem die beiden Weltkriege, die Machtergreifung des kommunistischen Regimes und dessen radikale Umgestaltung der rumänischen Gesellschaft, die Massenauswanderung der Deutschen aus Rumänien in die Bundesrepublik Deutschland und Österreich, der Sturz des Ceaușescu-Regimes im Dezember 1989 sowie der politische und wirtschaftliche Übergang. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Erinnerungen und Bedeutungen, die Deutsche aus dem Banat diesen historischen Ereignissen und deren Einfluss auf das Schicksal ihrer Familien beimessen. Zwei Arten von Quellen wurden für die Ausstellung herangezogen: Zum einen wurden von den Mitgliedern des Projektteams mündliche Interviews durchgeführt, zum anderen wurden private Fotosammlungen als Träger des generationenübergreifenden Gedächtnisses der betreffenden Familien betrachtet.

Einen ausführlichen Bericht über das Gesamtprojekt können Sie im Feuilleton lesen.

Internationale Tagung: Looking Beyond the Paradigm: Reformation and Religious Diversity across Borders and Cultures in Central and Southeastern Europe

Das IKGS, das Centre for Reformation Studies in Budapest, der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V. Hermannstadt und die Evangelisch-Lutherische Theologische Universität in Budapest organisierten vom 8. bis 10. Juni eine internationale wissenschaftliche Konferenz, die sich mit transkulturellen Aktivitäten, Initiativen und Personen befasste, die sich seit dem 16. Jahrhundert über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg für die Ausbreitung und Unterstützung oder Verhinderung der protestantischen Reformation eingesetzt haben. Die Tagung fand an der Evangelisch-Lutherischen Theologischen Universität in Budapest statt. Das IKGS wurde durch PD Dr. Angela Ilić vertreten, die die Tagung mitkonzipierte, mitorganisierte und auch einen Vortrag zum Thema Remembering the Reformation as Shared Heritage? A Survey of Memory Cultures and Historiographies in Central Europe hielt.

Wissenschaftlicher Kommentar zur sowjetischen Minderheitenpolitik im Budschak

Am 20. Juni 2023 steuerte IKGS-Mitarbeiter PD Dr. Tobias Weger einen Online-Kommentar zu einem Vortrag von Prof. Dr. Liliia Tsyganenko (Universität Ismail, Ukraine) im Rahmen eines Kolloquiums des Instituts für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa (IKGN) in Lüneburg zum Thema Repression und Zwangsmigration als Kennzeichen des Sowjetisierungsprozesses in Südbessarabien (1940–1953) bei.

Vortrag: Between Patriotism, Collective Self-Assertion, National Socialism and Revisionism

PD Dr. Angela Ilić hielt im Rahmen der Tagung Kulturtransfer Europa–Serbien im Königreich Jugoslawien einen Online-Vortrag über die verschiedenen Haltungen und Transferprozesse ausgewählter protestantischer Persönlichkeiten und Kirchengemeinden im Jugoslawien der Zwischenkriegszeit. Die Tagung fand am 30. Juni an der Fakultät für Politikwissenschaft der Universität Belgrad statt.

Internationale Tagung: Städtischer Raum. Merkmale von Mobilität und Kulturtransfer im spätmittelalterlichen Europa

Beiträge von Dr. Adinel Dincӑ (Klausenburg), Prof. Dr. Katalin Szende (Wien), Dr. Robert Born (Oldenburg/Berlin) und weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern widmeten sich den Themen »Mobilität von Menschen und Ideen«, »Städtische Rahmenbedingungen«, »Kirche und Frömmigkeit« sowie »Architektur und Kunst«. Auch Nachwuchswissenschaftler, die zum mittelalterlichen Siebenbürgen forschen, hatten die Möglichkeit, ihre Forschung vorzustellen.

Die Tagung vom 7. bis 8. Juli 2023 wurde vom IKGS gemeinsam mit dem Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V. Heidelberg, dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien, dem Referat für interethnische Beziehungen der rumänischen Regierung und in Kooperation mit Trans Script – The Center for Diplomatic and Medieval Documentary Paleography sowie der Babeș-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj-Napoca durchgeführt. Gefördert wurde die Veranstaltung von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, dem Institut für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Hermannstadt/Sibiu, REFORC – Connecting Academics, der Heimatortsgemeinschaft Heltau e. V. sowie dem Historischen Institut der Rumänischen Akademie veranstaltet. Sie fand anlässlich des 75. Geburtstages des renommierten Mediävisten und IKGS-Vorstandsmitglieds Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch in Heltau/Cisnădie, Rumänien, statt.

Neue Mitarbeiterin im IKGS

Seit September 2023 arbeitet Ingrid Winkle im Institutssekretariat. Sie ist die Nachfolgerin unserer langjährigen Mitarbeiterin Renate Steinlechner, die wir im August in ihre wohlverdiente Rente verabschieden durften.

Institutsgäste

Theresa Gillinger aus Wien war vom 7. März bis 6. April Gastwissenschaftlerin des IKGS. Sie forschte zum Thema »Limits of Internationalist Solidarity: The ambivalent rhetoric of Austrian Social Democrats in the migration debate from the Hainfeld Act in 1888/89 until the Abandonment of Parliamentarism in 1914«.

Stipendiatin Isabella Cîrlănaru aus Klausenburg/Cluj-Napoca forschte vom 11. bis zum 21. April zu ihrem Dissertationsthema »Mehrsprachigkeit deutschsprachiger Autoren aus Rumänien« im IKGS.

Vom 15. Juni bis zum 14. Juli war Sofija Krstić (LMU München) als Praktikantin im IKGS. Sie unterstützte die Arbeit des Instituts einen Monat lang im Archiv und im Fotoarchiv.

Dr. Corneliu Pintilescu, assoziierter Wissenschaftler des IKGS 2023, forschte vom 28. Juni bis zum 12. Juli im IKGS zum Thema »Die deutsche Volksgruppe in Rumänien und NS-Deutschland«.

Dr. Monica Tempian von der Victoria University of Wellington, Neuseeland, und Rick Sahar arbeiteten vom 4. Juli bis zum 14. Juli im Archiv des IKGS an einem Editionsprojekt zu den Übersetzungen Manfred Winklers, dessen Nachlass im IKGS aufbewahrt wird.

Courtney McDonald, Doktorandin von Dr. Monica Tempian an der Victoria University of Wellington, forschte vom 12. Juni bis zum 13. Juli zu den englischen Übersetzungen der Gedichte Manfred Winklers im Rahmen eines IKGS-Stipendiums.

Vom 17. bis 28. Juli durften wir Stipendiatin Dr. habil. Erika Hammer (Universität Pécs/Fünfkirchen) am IKGS begrüßen. Sie forschte zur Narrativierung der Erinnerung in den osteuropäischen deutschsprachigen Minderheitenliteraturen, insbesondere den Erinnerungsnarrativen in der ungarndeutschen Literatur.

Vom 18. September bis zum 13. Oktober war Stipendiatin Dr. Danica Trifunjagić zu Gast am IKGS. Dr. Trifunjagić forschte insbesondere zum Thema »Essen und Trinken in Verbindung mit der Erinnerungskultur im Banat«.

Wissenschaftlicher Kommentar zum Thema »Heimatreisen«

Am 4. September 2023 steuerte IKGS-Mitarbeiter PD Dr. Tobias Weger einen Online-Kommentar zu einem Vortrag von Dr. Sandra Kreisslová am Ethnologischen Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag (tsch. Praha) zum Thema Domov jako turistický cíl v době studené války. Nostalgická turistika vysídlených Němců z Československa po roce 1945 [Die Heimat als Reiseziel im Kalten Krieg. Heimatreisen von nach 1945 aus der Tschechoslowakei ausgesiedelten Deutschen] bei. Der Vortrag diente zur Vorbereitung des Habilitationsverfahrens an der Karlsuniversität Prag, bei dem Tobias Weger als Zweitgutachter fungiert.

Jubiläumstagung zum 90. Geburtstag von Eginald Schlattner

Am 13. September 2023 jährte sich der Geburtstag des gefeierten Schriftstellers Eginald Schlattner zum 90. Mal. Aus diesem Anlass versammelten sich am 8. und 9. September 2023 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland in Hermannstadt/ Sibiu, um das Lebenswerk des Autors historisch einzuordnen und zu würdigen.

Die Tagung wurde von Dr. Andreea Dumitru gemeinsam mit Dr. Florian Gassner (University of British Columbia) und Roger Pârvu (Evangelische Akademie Siebenbürgen) organisiert. Das Demokratische Forum der Deutschen in Siebenbürgen, das Department für Interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der rumänischen Regierung, der Evangelische Freundeskreis Siebenbürgen e. V. und das Zentrum für evangelische Theologie Ost sowie das IKGS fungierten als Kooperationspartner.

Tagung: Wlislockis Welt. Auf den Spuren eines nahezu vergessenen Siebenbürgers

Die Tagung vom 15. bis 17. September 2023, in deren Rahmen die Verleihung des Dorfschreiberpreises von Katzendorf/Cața posthum an Heinrich von Wlislocki erfolgte, näherte sich dem Leben und dem Werk Wlislockis aus verschiedenen Perspektiven an: historisch, literarisch und filmisch. Besonderheiten und Probleme seines Œuvres und dessen Wirkung wurden diskutiert. Einen wesentlichen Aspekt stellte dabei das Umfeld dar, in dem er gelebt und geforscht hat. Sein Wirken als Volkskundler, der sich neben den Roma auch anderen Bevölkerungsgruppen in der Region angenommen hat, ist nur im multikulturellen Beziehungsgeflecht des einstigen und heutigen Siebenbürgens zu verstehen. Auf dieser Grundlage wurde nach dem möglichen Beitrag eines von seiner unmittelbaren Lebenswelt und den Überzeugungen des 19. Jahrhunderts geprägten »Tsiganologen« für die modernen Romani Studies gefragt.

Nachwuchsseminar: Geschichte des Rechts im Donau-Karpaten-Raum im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit

Das von der Kommission für Geschichte und Kultur der Deutschen in Südosteuropa e. V. (KGKDS), dem IKGS und dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen (IdGL) veranstaltete Seminar fand am 21. September 2023 an der Universität Passau statt. Geleitet wurde das Nachwuchsseminar von Dr. Julia Derzsi (Hermannstadt/Sibiu), Dr. Dr. Gerald Volkmer (Oldenburg) und Dr. Ulrich A. Wien (Landau).

Neues Erschließungsprojekt im IKGS-Fotoarchiv

Am 26. September begann im IKGS das Erschließungsprojekt Wissenschaftliche Auswertung und Vorbereitung auf Digitalisierung von Bildbeständen über die Gottschee, in dessen Rahmen insgesamt 400 Einheiten – Fotografien, Ansichtskarten und Negative – katalogisiert und für die Digitalisierung vorbereitet werden. Die Region Gottschee/Kočevska in der Republik Slowenien blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Die im IKGS aufbewahrten Bestände – die mehrheitlich in der Zwischenkriegszeit entstanden sind – halten fotografisch eine vergangene Welt fest, die im und nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Umsiedlung des Großteils der deutschsprachigen Bevölkerung, die absichtliche Zerstörung von Friedhöfen, Kirchen und ganzen Siedlungen sowie das Umfunktionieren eines Teils des Gebiets in eine Strafkolonie drastisch verändert wurde.

Projektbearbeiterin ist Dr. Anja Moric vom Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste und der Universität in Laibach/Ljubljana, die seit Jahren zur Geschichte und Kultur dieser Region forscht und sich bis Ende Dezember 2023 als Gastwissenschaftlerin dem Projekt widmet. Gemeinsam mit Projektleiterin PD Dr. Angela Ilić wird sie auch wissenschaftliche Begleittexte zur Bildersammlung in verschiedenen Sprachen erstellen.

Publikationen der IKGS-Mitarbeiter

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter des IKGS veröffentlichten zuletzt folgende Beiträge und Bücher:

Enikő Dácz: »die karpaten wie flecken auf meiner haut«. Thomas Perles ökokritische Perspektive auf nationale Diskurse. In: Jahrbuch für Internationale Germanistik 54 (2022) H. 3, S. 105–115.

Enikő Dácz: Das Glück von der Seite antanzen. Nachwort. In: Franz Hodjak: Im Ballsaal des Universums. Herausgegeben von Enikő Dácz. Ulm 2023, S. 114–119.

Enikő Dácz: Brașovul — »un Heidelberg românesc« [Kronstadt — »Ein rumänisches Heidelberg«]. In: Andrei Corbea-Hoișie, Rudolf Gräf (Hgg.): Limbă și cultură germană în România (1918–1933). Realități postimperiale, discurs public și câmpuri culturale [Deutsche Sprache und Kultur in Rumänien (1918–1933). Postimperiale Wirklichkeit, öffentlicher Diskurs und kulturelle Felder]. Bd. 2. București 2023, S. 458–465.

Olivia Spiridon, Enikő Dácz: Criteriile canonului: Între estetică și ideologie. Gustul public: elite și mase. Formatorii de opinie (reviste, critici) [Die Kriterien des Kanons: Zwischen Ästhetik und Ideologie. Der öffentliche Geschmack: Eliten und Masse. Meinungsbildner (Zeitschriften, Kritiker]. In: Andrei Corbea-Hoișie, Rudolf Gräf (Hgg.): Limbă și cultură germană în România (1918–1933). Realități postimperiale, discurs public și câmpuri culturale. [Deutsche Sprache und Kultur in Rumänien (1918-1933). Postimperiale Wirklichkeit, öffentlicher Diskurs und kulturelle Felder]. Bd. 2. București 2023, S. 413–424.

Angela Ilić: Kulturelle Brücken schlagen. Novi Sad, Kulturhauptstadt Europas 2022. In: Riječ. Glasnik Hrvatske kulturne zajednice Wiesbaden / Das Wort. Mitteilungsblatt der Kroatischen Kulturgemeinschaft Wiesbaden 65/66 (2023), S. 20–25.

Angela Ilić: Odrazi [Spiegelungen] 2/2022. Arhivi u Hrvatskoj: Uvod [Archive in Kroatien: Einführung]. In: Riječ / Das Wort 65/66 (2023), S. 58–60.

Angela Ilić, Ivica Košak: Arhivi u Hrvatskoj – Arhivi za mene? [Archive in Kroatien – Archive für mich?]. In: Riječ / Das Wort 65/66 (2023), S. 61–63.

Florian Kührer-Wielach: Masse und Messianismus. Rumäniens Integrationsprozess zwischen den Weltkriegen. In: Michaela Maier u. a. (Hgg.): Die Krisen der Demokratie in den 1920er und 1930er Jahren. Wien 2023, S. 123–137.

Florian Kührer-Wielach: Die Erinnerung an die »Russlanddeportation« der Rumäniendeutschen. In: Kornelius Ens, Jannis Panagiotidis, Hans-Christian Petersen (Hgg.): Diktatur – Mensch – System. Russlanddeutsche Erfahrungen und Erinnerungen. Leiden 2023, S. 169–198.

Im Rahmen des an der Babeș-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj-Napoca und am Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften der Rumänischen Akademie in Hermannstadt/Sibiu angesiedelten Projektes »Post-imperiale« Realitäten, öffentlicher Diskurs und kulturelle Felder entstand eine von den Projektleitern Andrei Corbea-Hoișie und Rudolf Gräf herausgegebene Geschichte der Deutschen in Rumänien in den »langen« 1920er-Jahren. Zum zweibändigen Werk, das den Titel Limbă și cultură germană în România (1918–1933) [Deutsche Sprache und Kultur in Rumänien (1918–1933)] trägt, hat Florian Kührer-Wielach (IKGS) mit sechs Texten zu folgenden Themen beigetragen: »Das Konzept des Auslandsdeutschtums und die Deutschen in Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg«, »Traditionelle und regionale Identitäten. Zwischen Lokalismus und Synthese. Historische Annäherung«, »Kultur und Werte, Blut und Boden. Siebenbürgisch-sächsische Biopolitik in den ›langen‹ 1920er-Jahren«, »Vom Pangermanismus zum Nationalsozialismus. Transferprozesse – Akteure, Institutionen und Netzwerke«, »Die Kulturpolitik der Weimarer Republik und die deutsche Minderheit in Rumänien«, »Die Dokumente der Vereinigung, der Minderheitenschutzvertrag im zeitgenössischen deutschsprachigen Diskurs in Rumänien«.

Konrad Gündisch, Tobias Weger: Temeswar/Timișoara. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2023.

Tobias Weger: Ein nicht eingelöstes Versprechen. Die Umsiedlung der Deutschen aus der Dobrudscha 1940 und ihre Folgen. In: Cornelia Eisler, Katharina Schuchardt (Hgg.): Versprechen als kulturelle Konfigurationen in politischen Kontexten. Interdisziplinäre Zugänge und Perspektiven. Dresden 2023, S. 147–166.