https://doi.org/10.82486/sp.2026.06.2682

Arbeitsam und integer

Mit 70 macht Prof. Dr. Rudolf Gräf weiterhin sein Hobby zum Beruf

„Man muss Spaß an seiner Arbeit haben“, antwortete Rudolf Gräf auf eine Frage der Redakteurin Raluca Nelepcu, die mit ihm anlässlich seines Geburtstags ein Gespräch in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ) geführt hat.1 „Alle Aktivitäten machen mir Spaß: die Arbeit mit den Studenten, die Arbeit im Archiv und in der Bibliothek, die leider zu kurz kommt. Ich habe kein besonderes Hobby, denn mein Hobby ist mein Beruf.“ Mit dieser Einstellung, mit viel Fleiß und Menschenfreundlichkeit, ist der am 27. Januar 1955 in Reschitza/Reșița Geborene zu einem der bedeutendsten Repräsentanten und Gestalter der Geschichtsforschung und des Wissenschaftsbetriebs unter den Deutschen in Rumänien und darüber hinaus aufgestiegen.

Gräf hat Geschichte und Philosophie an der Alexandru-Ioan Cuza-Universität in Jassy/Iași studiert (1975–1983), wurde danach wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kreismuseums Caraș-Severin (heute: Museum des Banater Berglands/Muzeul Banatului Montan) in Reschitza, dessen Leitung er 1993 übernahm. 1997 promovierte er an der Babeș-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj-Napoca (BBU) bei Prof. Dr. Nicolae Bocșan zum Doktor der Philosophie. An diese Hochschule wurde er im Jahr 2000 berufen, ab 2008 übernahm er die verantwortungsvolle und anstrengende Position des Vizerektors dieser auch international hoch angesehenen Institution ein, die er bis 2020 ausfüllte. Er war Initiator und jahrelang Motor der deutschsprachigen Studiengänge und ist bis heute im Doktorandenkolleg der BBU aktiv. 2018 wurde Gräf zudem die Leitung des Forschungsinstituts für Geisteswissenschaften der Rumänischen Akademie/Institutul de Cercetări Socio-Umane in Hermannstadt/Sibiu übertragen. Überdies hat er wiederholt Lehraufträge an den Universitäten Regensburg, Rostock und Graz wahrgenommen. Für sein Wirken als Wissenschaftler sowie als Brückenschläger zwischen den unterschiedlichen deutschen Gruppen des Landes zwischen Rumänien und dem deutschsprachigen Raum wurde Rudolf Gräf vielfach ausgezeichnet, unter anderen mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Kürzlich ernannte ihn das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen zum „Europäer des Jahres“.

In zahlreichen nationalen und internationalen Gremien repräsentiert Gräf die Forschungen zur Geschichte der Deutschen in Rumänien sowie den deutschsprachigen Hochschulunterricht. Das IKGS ist ihm zu besonderem Dank verpflichtet, weil er sowohl die Klausenburger BBU, als auch das Hermannstädter Forschungsinstitut in den Mitgliederversammlungen vertritt. Er gehört außerdem dem Kuratorium des IKGS seit 2013 an. In diesen Eigenschaften wirkt er nicht nur als Zuhörer und Aufpasser, sondern konstruktiv und anregend.

Rudolf Gräf hat unsere fast vier Jahrzehnte bestehende Freundschaft stets gepflegt, ungeachtet seines offiziellen Status‘, seiner knapp bemessenen Zeit wegen der Ämter, die er innehatte oder innehat. Er hat geholfen, wenn es nötig war, er hat freundschaftliche Ratschläge eingeholt und angenommen. Als Mensch ist er fair, bescheiden, offen und immer bereit, jenen zu helfen, die ein Problem haben. Als Historiker arbeitet er quellenbasiert, sine ira et studio, zugleich die historischen Ereignisse und Phänomene aufgrund seiner ausgezeichneten Allgemeinbildung in einen größeren Rahmen einordnend sowie anschaulich und korrekt informierend. Als Organisator in den Bereichen Hochschulbildung und Geschichtswissenschaften war und ist er effizient, engagiert, fürsorglich und kollegial. Weiter so, lieber Rudi, in den nächsten Jahrzehnten! Ad multos felices annos!

  1. Wir haben jetzt zwei Aasgeier, die Europa verschlingen wollen“. ADZ-Gespräch mit dem Historiker Prof. Dr. Rudolf Gräf. ADZ vom 7. Mai 2025, https://adz.news/artikel/artikel/wir-haben-jetzt-zwei-aasgeier-die-europa-verschlingen-wollen, 23.10.2025. ↩︎