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Die »jüngste Generation«

Deutschsprachige ungarndeutsche Literatur nach der Wende

Von Erika Erlinghagen

 

Der ungarndeutschen Minderheitenliteratur wird in der germanistischen Forschung vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Probleme und Fragen rund um die Definition, Einordnung und Wertung machen die wissenschaftliche Beschäftigung mit einer »Minderheitenliteratur«[1] von vornherein schwierig. Im Fall der ungarndeutschen Literatur beginnt das Ringen um Wahrnehmung allerdings bereits innerhalb der eigenen Minderheit. Dies wird in erster Linie mit dem sogenannten Sprachverlust, den die Minderheit im Laufe der letzten Jahrzehnte aus historisch-politischen sowie gesellschaftlichen Gründen erlitten hat, in Zusammenhang gebracht. Tatsächlich aber greift das Problem speziell hinsichtlich der jüngsten ungarndeutschen Schriftsteller weiter beziehungsweise wird das Potential, das dem vermeintlichen Hauptproblem tatsächlich innewohnt, nicht genutzt. Im Folgenden wird die literarische Produktion der jüngsten Autorengeneration, deren schriftstellerische Karriere bereits unter den veränderten Bedingungen der Nachwendezeit ihren Anfang nahm, kurz umrissen, worauf gezeigt werden soll, wie sie in ihrem Schreiben versucht, sich von den vorangegangenen Generationen abzuheben.

Gerhard Seewann bezeichnet die ungarndeutsche Identität 2004 als langfristig ungesichert und brüchig, zumal im Wir-Bewusstsein der Ungarndeutschen Grund- oder Identifizierungsmerkmale wie gemeinsame Sprache und Kultur, Geschichte und Herkunft, Lebensraum und Verhaltensweisen auf der Basis gemeinsamer Werte kaum verankert seien.[2] Im Gegensatz dazu hält Györgyi Bindorffer fest, dass die jüngere Generation der Ungarndeutschen doch optimistisch zu sein scheint, was die Zukunft der Minderheit angeht, selbst wenn die älteren Generationen der Meinung sind, dass die Minderheit aufgrund des Sprachverlustes allmählich aussterben werde.[3] Tatsächlich können deutsche Sprachinseln in Ostmitteleuropa generell als instabile Formationen bezeichnet werden:

Diese Gruppierungen haben einen höchst fortgeschrittenen Grad der Assimilation erreicht, dessen eine Folge ist, dass die kommunikative Reichweite der Minderheitensprache aufgrund der verlorenen Funktionen der heimischen Dialekte in den Sprachinseln weitgehend geschrumpft ist, und es sind nur wenige Domänen des Sprachgebrauchs der Minderheitensprecher (vor allem der private Nähebereich der älteren Generation) verblieben, in denen die minoritäre Sprache noch mehr oder weniger aktiv gesprochen wird.[4]

Obwohl die Deutschkenntnisse der jungen Ungarndeutschen im Vergleich zu ihren Ungarischkenntnissen in der Tat geringer sind,[5] muss dies nicht automatisch zum Verlust des Minderheitenbewusstseins führen. In diesem Zusammenhang stellt Sasné Grósz fest, dass der Sprachverlust speziell bei der jüngeren Generation der Ungarndeutschen dazu führt, dass ihnen die kulturelle Bindung zur Minderheit umso wichtiger ist. Mittels dieser Bindung, die sich in erster Linie auf kulturelle Bräuche und Traditionen erstreckt, sollen die mangelnden Sprachkenntnisse kompensiert und das Ausleben der ungarndeutschen Identität ermöglicht werden.

Das Erleben ihrer Identität haben die jüngeren Generationen auf ein anderes Gebiet verlegt: die Bindung an kulturelle Werte und die Traditionen sind in den Vordergrund gerückt. Sie zeichnen sich durch eine von Altersklassen unabhängige, starke emotionale Bindung zu ihrer eigenen Musik und den Volksbrauchtümern aus.[6]

Die jüngeren Generationen der Ungarndeutschen, also jene Personen, die nach 1970 geboren worden sind, erlebten den Eintritt in das Erwachsenenleben nach der politischen Wende von 1989 und waren so mit einem nunmehr vom freien Informationsfluss bestimmten Umfeld konfrontiert, das im Laufe der Zeit zusätzlich an multimedialer Prägung gewann. Die Erfahrung der »Pluralisierung und Entgrenzung kultureller Zusammenhänge und Lebensentwürfe«[7] ist typisch für diese Generationen geworden. Sie werden im Laufe ihres Lebens mit einer Ansammlung verschiedener Möglichkeiten in unterschiedlichen Lebensbereichen konfrontiert, aus denen sie wählen und Kombinationen zusammenstellen können. Gerade dieser Aspekt der Wahl ist maßgeblich für die jüngeren Generationen der Ungarndeutschen in Hinblick auf ihre bewusste Entscheidung für oder gegen die ungarndeutsche ethnische Identität, in die man nicht mehr automatisch hineingeboren wird.[8] Auch Gerner betont, dass es für die Vertreter der jüngeren Generationen eine bewusste Entscheidung sei, das Ungarndeutschtum zu leben, wobei das Gefühl von »Schuld« den Vorfahren gegenüber ein der ungarndeutschen Identität inhärentes Moment sei.[9]

Um ihre selbstgewählte ethnische Identität auszubilden, sind die jüngeren Ungarndeutschen zumeist auf verschiedene Institutionen angewiesen, die ihnen jene Werte, Kompetenzen und Praktiken vermitteln, in denen sich die ungarndeutsche Identität manifestiert und durch deren Kenntnis sie ihre Zugehörigkeit zur Minderheit aktiv ausleben und ausdrücken können. Die Tatsache, dass der Großteil der jüngeren Ungarndeutschen nicht mehr durch die Familie, die Erziehung zu Hause oder enge Familienmitglieder an die ungarndeutsche Kultur herangeführt wird, die ungarndeutsche Identität oft nicht unmittelbar im familiären Kreis kennenlernt und von Anfang an ausbildet, macht diesen institutionellen Weg notwendig.[10] Laut Gerner folgte für die Minderheiten in Ungarn auf die politische Wende im Jahr 1989 eine intensive Neugestaltungs- und Neugründungsphase von Verbänden und Vereinen, die mit einem steigenden Interesse an ethnisch definierter Organisation einherging.[11] Der ungarndeutschen Minderheit brachte dies unter anderem auch die (Weiter-)Entwicklung von Bildungseinrichtungen und Kulturinstitutionen, von denen die jüngeren Generationen heute profitieren können, was sich beispielsweise in der »guten aktiven Kompetenz in der in der Schule erworbenen deutschen (Standard-)Varietät«[12] der jüngeren Generationen widerspiegelt. So ergibt sich eine neuartige Mehrsprachigkeit innerhalb der Minderheit, die zwar nicht gleichzusetzen ist mit der Zweisprachigkeit der Großeltern- und womöglich noch Elterngeneration, die neben dem Ungarischen auch des jeweiligen deutschen Dialektes mächtig war oder ist[13], doch birgt sie für die Angehörigen der jüngeren Generationen die Chance, die Minderheitenkultur auch abseits des folkloristischen Kontextes der Trachten-, Volkstanz- und Gesangsvereine zu bewahren. Dass die ungarische Mehrheitssprache im Leben der jüngeren Ungarndeutschen eine oft weit wichtigere Rolle spielt, könnte in dem Bestreben, das Minderheitenbewusstsein zu erhalten und zu fördern, durchaus produktiv genutzt werden. Knipf-Komlósi merkt dazu an:

Die Mehrsprachigkeit (Bilingualität) von Sprachinselsprechern bedeutet gleichzeitig neben der Offenheit auch ihre Assimilationsbereitschaft, die in den letzten Jahrzehnten intensiver wurde […]. [I]n unseren Tagen [scheint] der Weg zur Zweisprachigkeit eine der besten Strategien, sogar der Garant, zu sein, durch die das Minderheiten-Dasein aufrecht erhalten und mit Inhalt gefüllt werden kann.[14]

Diese Feststellung lässt sich anhand der Entwicklungen der ungarndeutschen Literatur und deren Rezeption innerhalb der Minderheit selbst gut nachvollziehen. Denn die für Sprachinselsprecher der Gegenwart selbstverständlich gewordene Mehrsprachigkeit[15] eröffnet auch auf dem Gebiet der ungarndeutschen Minderheitenliteratur neue Möglichkeiten, sofern ihr Potential von Produzenten und Rezipienten gleichermaßen ausgeschöpft wird.

In der Sekundärliteratur zur zeitgenössischen ungarndeutschen Literatur werden die Schriftsteller der Minderheit üblicherweise in Generationen unterteilt. Über ihre Zugehörigkeit zur sogenannten »älteren«, »mittleren« oder »jungen« Generation entscheidet ihr Geburtsdatum. Dieses Generationensystem wird damit begründet, dass die Werke der einzelnen Autoren innerhalb einer Generation grundlegende Gemeinsamkeiten hinsichtlich Schreibstil, Thematik und Motivation, aber auch der persönlichen Biographie aufweisen.

Die sogenannte »junge Generation« beispielsweise umfasst Schriftsteller, die vor 1970 geboren sind. Dieser Schriftstellergeneration, die größtenteils aus Akademikern besteht, die zwar mitunter noch mit der deutschen Mundart aufgewachsen sind, in ihren Werken jedoch dem Hochdeutschen oftmals den Vorzug geben, gehören u. a. Béla Bayer, Robert Becker, Nelu Bradean-Ebinger, Kolomann Brenner, Robert Hecker, Claus Klotz, Valeria Koch und Josef Michaelis an. Was nun das Verbindende bei dieser Generation angeht, so schreibt Rita Pável den genannten Autoren eine veränderte Beziehung zur ungarndeutschen Gemeinschaft zu, die zur Folge habe, dass sie in ihrer Dichtung nicht mehr die kollektiven Erfahrungen der Minderheit artikulierten und deshalb die Rolle des Erziehers, der die Pflege des gemeinsamen Erbes weitertragen möchte, gleichsam zurückwiesen. Um der Heimattümelei zu trotzen, seien sie bestrebt, qualitativ hochwertige Literatur zu produzieren.[16] Auch Propszt sieht die primäre Leistung dieser Generation darin, dass sie die Enge der ungarndeutschen Literatur zum Teil hinter sich gelassen habe, doch seien die gemeinsame Geschichte und die ungarndeutsche Tradition immer noch wichtige Bestandteile ihrer Literatur:

Auch bei ihnen zieht sich die Suche nach sprachlicher und kultureller Identität wie ein roter Faden durch ihre Werke. Geschichte und Tradition fassen sie aber nicht bloß als etwas zu Bewahrendes, sondern mehr als etwas zu Entwickelndes, In-Frage-zu-Stellendes auf. Hier ist eine Akzentverschiebung zu beobachten: von der Wir-Dichtung der Alten zu der Ich-Dichtung der Jüngsten.[17]

Diese von Propszt als Akzentverschiebung wahrgenommene Veränderung der Perspektive deutet darauf hin, dass die Zugehörigkeit zur ungarndeutschen Minderheit auch schon bei dieser Schriftstellergeneration auf eine bewusste Entscheidung zurückzuführen ist, die sich in den literarischen Werken niederschlägt – die Frage ist für Propszt dabei, ob eine solche sich auf subjektive Erfahrungen fokussierende Literatur die ungarndeutsche Nationalität repräsentieren könne oder wolle.[18] Über die Autorenintention kann nur gemutmaßt werden, allerdings bietet die überwiegende Mehrheit der Texte dieser »jungen Generation« einen individuellen, subjektiven Blick auf allgemein für die Minderheit gültige Themen und Probleme, weshalb ein Identifikations- und Repräsentationspotential für die Rezipienten innerhalb der Minderheit vorhanden ist. Im Hinblick auf die nachfolgende Schriftstellergeneration wird sich im Folgenden jedoch zeigen, dass sich dieser Individualisierungs- bzw. Subjektivierungsprozess weiter verschärft, weshalb auch der Repräsentationscharakter der Literatur zwar in den Hintergrund rückt, die Themen- und Ausdrucksvielfalt dafür aber merklich zunimmt.

Eine weitere, sehr wichtige Gemeinsamkeit der Autoren dieser »jungen Generation« ist, dass beinahe alle sowohl auf Deutsch als auch auf Ungarisch literarische Texte publiziert haben. Valeria Koch, die auf den Seiten der Neuen Zeitung mehrfach als Star der ungarndeutschen Literatur bezeichnet worden ist, hat sich insbesondere durch ihre Zweisprachigkeit einen Namen gemacht.[19] Auch Josef Michaelis, der dank seiner deutschsprachigen Märchensammlung Der Zauberhut zu den bekanntesten ungarndeutschen Autoren zählt, hält die literarische Mehrsprachigkeit für zwingend notwendig, um mit der ungarndeutschen Literatur das Lesepublikum überhaupt erreichen zu können:

Es gibt auch einige Meinungen unter uns, die sagen: nur auf Deutsch schreiben. Natürlich, ich würde das auch machen. Aber dann stellt sich heraus, wir geben die Bücher heraus, wie viel können wir verkaufen? Wer kauft sie? Wer wird sie lesen? Dann bleiben sie irgendwo in einem Zimmer oder in einer Redaktion und das Ziel wurde nicht erreicht. Also lieber gleich mehrsprachig – damit wir unsere Leser – die Ungarn, die heutzutage Deutsch lernen – erreichen.[20]

Propszt stellt fest, dass sich in der ungarndeutschen Literatur zwei Richtungen entwickelt hätten, die sich zum einen durch die Sprachwahl – Deutsch oder Ungarisch – und zum anderen durch die Herangehensweise an das Thema Identität unterscheiden.[21] Interessant ist dabei, dass sie die ungarischsprachige ungarndeutsche Literatur[22] gegenüber der deutschsprachigen als funktionsfähiger bezeichnet:

[S]ie ermöglich[t] ihren Lesern nämlich eine viel differenziertere Identitätserschaffung dadurch, dass […] die einzelnen, zur Verinnerlichung vorgesehenen Identitätselemente sowohl auf semantischer als auch psychologischer Ebene differenziert und komplex heraus[ge]arbeite[t] [sind], und dass die strukturellen Beziehungen zwischen den einzelnen Identitätselementen auf komplexe Weise sowohl die soziale Realität als auch die individuelle und kollektive psychische Realität rekonstruieren.[23]

Die deutschsprachige ungarndeutsche Literatur arbeite, laut Propszt, mit vollkommen vereinfachten Welt- und Geschichtsmodellen sowie erstarrten Schemata, was zur Folge habe, dass die Leserschaft sich weder mit ihr identifizieren könne noch zur Selbstreflexion angeregt werde.[24] Zweifellos kann man dieses Urteil nicht pauschal auf alle deutschsprachigen Texte der ungarndeutschen Literatur beziehen, aber tatsächlich lässt sich, wie Propszt betont, nachweisen, dass der Diskurs der deutschsprachigen ungarndeutschen Literatur über ihre Institutionalisierung, die ihr Entstehen legitimiert habe und ihr Überleben weiterhin legitimiere, großteils mit dem Diskurs der jeweils aktuellen Nationalitätenpolitik verknüpft sei, was dazu führe, dass die gedanklichen und argumentativen Strukturen der Identitätsbildung ebenfalls von der Nationalitätenpolitik bestimmt werden.[25] Es mag also vielleicht ebendiese Abhängigkeit von der Institutionalisierung sein, die bei der deutschsprachigen ungarndeutschen Literatur tatsächlich besteht, die es der sogenannten »jungen Generation«, aber auch der ihr nachfolgenden »jüngsten Generation« schwer macht, eine literarische Weiterentwicklung oder Erneuerung in die Wege zu leiten.

Wer aber gehört nun zu dieser »jüngsten Generation«,[26]die jene Schriftsteller umfasst, die nach 1970 geboren worden sind? Christina Arnold (*1977), Andrea Czövek (*1979), Angela Korb (*1982), Mónika Szeifert (*1977) und Stefan Valentin (*1973) sind mit ihren Kurzprosatexten und ihrer Lyrik regelmäßig in der Literaturbeilage der Neuen Zeitung vertreten und steuerten auch schon Texte für diverse Anthologien ungarndeutscher Literatur bei.[27] Die grundlegende, die Generation verbindende Gemeinsamkeit hinsichtlich ihrer Biographien liegt darin, dass die genannten Autoren zumeist Hochschulabsolventen und im Umgang mit sprachlichen Ausdrucksformen erfahren und geschult sind.[28] Wie schon die Schriftsteller der Generation vor ihnen, schreiben auch sie häufig in Ungarisch und Deutsch, in den Sprachen, in denen sie in erster Linie individuelle Lebenserfahrungen bewältigen. Es dominiert die Erlebnis- und Gedankenlyrik, in den Gedichten werden im Kontext der Aufarbeitung von Abschieden, Trennungen oder Beziehungen Emotionen wie Trauer, (enttäuschte/unglückliche) Liebe oder Einsamkeit behandelt. Die vom Kollektiv hin zum Individuum verschobene Perspektive der vorangegangenen Generation wird von dieser Generation zwar beibehalten, die überwiegend problematisierende Herangehensweise an die sprachliche und kulturelle Identität als Ungarndeutscher und deren wiederholtes Hinterfragen, aber auch die eher pessimistische Grundstimmung der »Jungen« wird von den »Jüngsten« jedoch deutlich weniger übernommen. Das nationalitätenspezifische Element ist bei der jüngsten Generation in erster Linie im Kontext von Kindheits- und Jugenderinnerungen oder in Erzählungen rund um Protagonisten der Großelterngeneration zu finden. Das Ungarndeutschtum bzw. die ungarndeutsche Lebenswelt bilden in diesen Fällen den sozialen und/oder geistigen Raum der Herkunft und stellen so in erster Linie einen Sehnsuchtsort dar, der Wehmut oder Wohlgefühl, Geborgenheit oder Heimatgefühl bzw. eine Art Heimweh hervorruft: Die Texte erzählen zwar zum Beispiel vom Schicksal der ins Arbeitslager verschleppten Großelterngeneration, fokussieren dabei aber auf Liebesgeschichten zwischen Lagerbewohnern oder die Beziehungen zu den Daheimgebliebenen – das Arbeitslager bildet lediglich den der Schicksalsgemeinschaft wohlbekannten Hintergrund, auf den nicht näher eingegangen wird. Ähnlich gibt es Texte, die vom Alltagsleben der Vergangenheit erzählen, die die dörfliche Idylle heraufbeschwören, das einfache Leben der Vorfahren, als im Gegensatz zur modernen Realität die Solidarität galt, idealisieren und dabei zum Teil sogar mit Dialektformen experimentieren. Andere Werke schildern Kindheitserinnerungen, die unter Verwendung für die ungarndeutsche Literatur typischer Motive erzählt werden und eine starke Verbundenheit zum Ungarndeutschtum, der Herkunft, durchscheinen lassen.[29] Diese Annäherung an den ungarndeutschen Themenkomplex ist vermutlich ebenso mit der eingangs näher erläuterten bewussten Wahl der ungarndeutschen Identität und deren dadurch erfolgenden Aufwertung, die für die beschriebene Generation kennzeichnend geworden ist, in Zusammenhang zu bringen. Die persönlichen Erfahrungen der jungen Schriftsteller der Nachwendezeit mit der ungarndeutschen Lebenswelt, Kultur, Tradition und Geschichte stammen nur mehr zu einem geringen Maße aus dem unmittelbaren eigenen, privaten und familiären Umfeld, sondern werden, wie beispielsweise auch der schulische Werdegang der oben erwähnten Schriftsteller zeigt, in erster Linie über verschiedene Bildungs- und Kulturinstitutionen vermittelt. Die so erworbenen Kenntnisse erhalten dadurch einen anderen Wert, dem von vornherein Wichtigkeit und aufgrund des drohenden Verlustes vielleicht auch Unantastbarkeit zugeschrieben werden.

Die Ergebnisse einer Reihe von Interviews, die 2012 mit einigen Vertreterinnen dieser Schriftstellergeneration geführt worden sind,[30] verdeutlichen den speziellen Zugang der »jüngsten Generation« zur Literaturproduktion und zur ungarndeutschen Literatur an sich. Wie zu erwarten war, können sich die befragten Autorinnen mit der ungarndeutschen Literatur identifizieren, sie hat eine große persönliche Bedeutung für sie. Während Arnold und Czövek eher den privaten, emotionalen Zugang zu ihr schätzen – Czövek beschreibt sie gar als »eine gute Freundin, die mich besucht, um über alltägliche Probleme, Liebe, Traurigkeit, Vergangenheit, Zukunft, Familie, Männer, Frauen und Kinder zu sprechen«[31] –, steht für Szeifert neben dem persönlichen auch der historisch-gesellschaftliche Bezug im Vordergrund:

Ich denke, ich habe in der ungarndeutschen Literatur meine Identität als Ungarndeutsche entdeckt und eine Möglichkeit, meine Gefühle und die Gedanken, die mich beschäftigen, in der deutschen Sprache, die ich vom Gefühl her als Muttersprache empfinde, aus mir herauszuschreiben und so zu verarbeiten. Ich lese gern Werke der ungarndeutschen Autoren, weil ich meine Gedankenwelt, meine Wertvorstellungen und das Schicksal meiner Familie, meiner Vorfahren darin wiederfinde. Ich denke, die Literatur einer Minderheit ist immer etwas Besonderes, weil sie gemeinschaftsbildend und identitätsfindend wirkt. […] [E]ine emotionale Bindung, ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht bei mir in erster Linie zu ungarndeutschen Autoren und ihren Werken.[32]

Es erscheint logisch, dass Szeifert im Verlauf des Interviews angibt, dass sie der Ansicht sei, dass jeder Autor einer Minderheit eine Art Verpflichtung der jeweiligen Gemeinschaft gegenüber habe, die literarische Tradition der Vorfahren fortzuführen und die gemeinsame Sprache zu pflegen – sie selbst hoffe, einen Beitrag dazu zu leisten. Arnold teilt diese Meinung, da eine Gemeinschaft ohne eine »Schicht der Intelligenz« nicht überleben könne, doch benennt sie keine konkreten Aufgaben. Czövek nennt schließlich neben der Pflege der ungarndeutschen Tradition, die sie aber ebenfalls nicht näher bestimmt, die Pflicht, die Leserschaft zu amüsieren. Bereits aus diesen Ansichten wird ein Spannungsfeld sichtbar, das sich zwischen dem Anspruch, die »ungarndeutsche Tradition« in irgendeiner Art und Weise zu pflegen, und dem Wunsch, davon womöglich unabhängig die Leserschaft schlicht zu erreichen und zu befriedigen, auftut. Die Vertreter der jüngsten Generation versuchen scheinbar, den Spagat zwischen Tradition und Emanzipation zu meistern, wobei sich einige von ihnen eher dem einen, andere dem anderen Ende annähern. Die drei befragten Autorinnen scheinen jedenfalls Verfechterinnen des emanzipatorischen Geistes zu sein: Alle drei betonen im Interview, ihre eigene, individuelle literarische Stimme und Position, die sie als von den Erwartungen und vielleicht auch von thematischen oder stilistischen Einschränkungen des institutionalisierten ungarndeutschen Literaturbetriebs unabhängig verstanden wissen wollen. Arnold sieht sich zwar als Angehörige der jüngsten Generation, verwahrt sich aber doch gegen Festlegungen, wenn sie sagt: »Jede epoche [sic] hatte seine [sic] Themen und seine [sic] Meister, ich fühle mich derzeit noch zur heutigen jungen Generation angehörend und suche noch meinen weg [sic].«[33] Szeifert unterstreicht ebenfalls ihre Individualität im Kontext der ungarndeutschen Literatur: »Ich schreibe auf meine eigene Art, aber ich denke Literatur ist sowieso etwas Individuelles. Sie wird von Individuen erschaffen und auch von jedem individuell verstanden und interpretiert.«[34] In Czöveks Antwort findet sich schließlich nicht nur ein Moment der Abgrenzung, sondern auch ein Funken Kritik an der Erwartungshaltung gegenüber ungarndeutschen Literaturproduzenten, die nicht nur, aber insbesondere von den Institutionen des ungarndeutschen Literaturbetriebs aufrechterhalten und genährt wird: »Welche ist wichtiger, eine Schriftstellerin, die ungarndeutsche Gedichte und Kurzgeschichten schreibt, oder die ungarndeutsche Schriftstellerin, die einfach nur Gedichte und Kurzgeschichten schreibt?«[35] Es überrascht nicht, dass Czövek beispielsweise auch außerhalb des ungarndeutschen literarischen Kontextes aktiv ist und unter anderem auf ihrer eigenen Homepage ungarischsprachige Texte verschiedenster Genres veröffentlicht.[36]

Für die Autoren der jüngsten Generation also stellt sich die Frage, ob sie mit ihrer individuellen Themenwelt und Ausdrucksweise die ungarndeutsche Leserschaft besser oder schlechter erreichen und befriedigen können als die Generationen vor ihnen. Eine parallel zur oben erwähnten Interviewreihe durchgeführte Leserbefragung im Jahr 2012 brachte zum einen nur sehr wenig Widerhall,[37] was auf generell mangelndes Interesse an ungarndeutscher Literatur zurückgeführt werden kann, zeigte zum anderen aber auch, dass diejenigen Leser, die an der Befragung teilgenommen hatten, sich zwar selbst kaum mit der (zeitgenössischen) ungarndeutschen Literatur auseinandersetzten, ungeachtet dessen aber relativ klare Erwartungen an die ihnen eigentlich unbekannte und von ihnen kaum rezipierte ungarndeutsche Literatur hatten:

Ich halte es für wichtig, dass es sie [die ungarndeutsche Literatur, E. E.] gibt. Es soll deutsch und ungarischsprachig sein, Hauptsache bei mir ist, Geschehnisse, Gedanken, Erlebnisse, Probleme und Freude aus der hiesigen Situation aus zu interpretieren. […] Ein jeder hat eine große Verpflichtung, die Talente nach bestem Wissen entfalten zu lassen. Es ist auch bei den ungarndeutschen Autoren so. Naturlyrik in sich kann nur aus dem Grunde für die ungarndeutsche Gemeinschaft [interessant sein, E. E.], dass es auf Deutsch verfasst ist – oder dass gewisse Sachen mit den Augen eines Ungarndeutschen wahrgenommen und nach ungarndeutscher Art interpretiert wird. Wichtigere Aufgabe ist die für die Ungarndeutschen spezifische Probleme, Ereignisse literarisch aufzuarbeiten. In allen anderen Themen – wie z. B. Liebe – können die Ungarn oder Engländer genauso gute, oder noch bessere Werke schaffen, die Ungarndeutschen Autoren sollten das machen, worin sie etwas besonders sind, was andere – sich nicht in die Lage der Ungarndeutschen versetzen zu können – nicht schreiben können. Damit können auch die Ungarndeutschen etwas leisten. Wenn sie aber über andere, allgemeine Sachen schreiben (auf Deutsch), ist natürlich auch schön und gut, aber ihre Konkurrenz wird so wegen der riesigen deutschsprachigen Literaturlandschaft sehr groß.

Die zitierte Passage zeigt allerdings nicht nur, dass der befragte Leser, der das Potential der ungarndeutschen Literatur allein in der Behandlung von ungarndeutschen Themen oder eben der speziell ungarndeutschen Perspektive sieht, eine sehr beschränkte Erwartung an die Literatur an den Tag legt, sondern auch, dass es sich hier um ein strukturelles, den Literaturbetrieb betreffendes Problem handelt: Es fehlt auf der Seite der Rezipienten an Vermittlern – und hier seien insbesondere die Literaturkritiker der ungarndeutschen Medien gemeint –, die die Leserschaft sensibilisieren und ein differenzierteres Bild von den Möglichkeiten der ungarndeutschen Literatur – in puncto Ausdruck, Ästhetik, Form sowie Inhalt – befördern könnten. Stattdessen werden beispielsweise in der Literaturbeilage der Neuen Zeitung zwar regelmäßig Texte der jüngsten ungarndeutschen Autoren veröffentlicht, allein eine ausführlichere literatur- kritische Behandlung bleibt ihnen zumeist verwehrt.[38] Die Beiträge, die sich der Deutung und Kontextualisierung literarischer Texte widmen, drehen sich so gut wie stets um Texte der älteren, mittleren oder jungen Generation, die den typischen Themen und Motiven der ungarndeutschen Welt verhaftet sind.[39]

Im Jahr 2000 stellte Csilla Körösi im Zusammenhang mit der zeitgenössischen ungarndeutschen Literatur fest:

Leider müssen wir feststellen, dass die Funktion der ungarndeutschen Literatur sich vorläufig auf die Wiederbelebung des alten Brauchtums beschränkt. Die durchaus reale Gefahr der [sic] Identitätsverlustes veranlasst die ungarndeutsche Intelligenz, sich bewußt für die Beibehaltung der Traditionen und für die Besinnung auf eine Kontinuität einzusetzen.[40]

Das bisher Gesagte zusammengefasst, kann man diese Feststellung in Bezug auf die Literaturproduktion der sogenannten »jungen Generation«, aber auch der »jüngsten Generation« ungarndeutscher Schriftsteller nicht gänzlich von der Hand weisen. Trotzdem geben eben die literarischen Bemühungen der nach Emanzipation strebenden Schriftsteller der »jüngsten Generation« Grund zur Hoffnung, dass die ungarndeutsche Literatur dank ihrer Werke vorangetrieben werden kann, sofern auch der institutionalisierte Literaturbetrieb ihnen in Zukunft nicht nur dieselbe Aufmerksamkeit schenkt wie den Generationen vor ihnen, sondern auch bereit ist, von dem bislang verfolgten, bereits breit ausgetretenen Weg abzuweichen. Die Vertreter der »jüngsten Generation« erschließen in ihren Werken, deren ästhetische Qualität natürlich unterschiedlich ist, neue sprachliche und inhaltliche Experimentierfelder, mit denen die bisherige Enge der ungarndeutschen Themen- und Motivwelt gesprengt werden könnte. Zudem wäre es sicherlich von Vorteil, wenn auch der bewusste Einsatz beider zur Verfügung stehenden Sprachen gefördert würde, um differenziertere und komplexere Sprach- und Motivwelten zu erschaffen und eine größere Leserschaft zu erreichen. Nur so kann die Identität einer sprachlich zum Großteil assimilierten Minderheit in einer modernen mitteleuropäischen und von der Globalisierung geprägten Gesellschaft erhalten werden: Die Kulturträger und -vermittler müssen das zu bewahrende Kulturgut in den modernen Kontext, die moderne Sprache übersetzen können, um die Inhalte beibehalten und weitergeben zu können. Die Literatur der »jüngsten Generation« ungarndeutscher Schriftsteller kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

 

ERIKA ERLINGHAGEN, 1983 in Eisenstadt/Österreich geboren, studierte Germanistik, Hungarologie und mitteleuropäische Geschichte in Wien, Paris und Budapest. Sie lebt in Wien und ist dort als Lektorin am Institut für Europäische Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität Wien tätig. Sie veröffentlichte mehrere Studien zur ungarndeutschen Literatur, zuletzt erschienen Ungarndeutsche Literatur. Neue Perspektiven? sowie zum Thema ihres aktuellen Dissertationsprojektes: Die Kulturpolitik Ungarns im kurzen 20. Jahrhundert im Spiegel der staatlichen Literaturpreise. Einen weiteren Forschungsschwerpunkt stellt die Aufarbeitung, Analyse und Edition ausgewählter Briefkorrespondenzen von Georg Lukács mit Persönlichkeiten der ungarischen Kulturpolitik dar.

 

Zuerst erschienen in: Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Heft 2 (2015), Jg. 10 (64), Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, S. 73–82.

 

[1] Im vorliegenden Aufsatz bezeichnet der Begriff der Minderheitenliteratur jene Literatur, die von Mitgliedern einer ethnischen Minderheit in anderssprachlicher Umgebung in der Sprache der jeweiligen Minderheit oder aber der Mehrheitssprache verfasst wird. Für eine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Diskussion zum Begriff der Minderheitenliteratur siehe Erika Regner: Ungarndeutsche Literatur. Neue Perspektiven? Frankfurt/M. 2014 (Wechselwirkungen. Österreichische Literatur im internationalen Kontext, 15), S. 65–75.

[2] Vgl. Gerhard Seewann: Zur Identität der Ungarndeutschen in Geschichte und Gegenwart. In: Frank Almai, Ulrich Fröschle (Hgg.): Deutsche in Ungarn, Ungarn und Deutsche. Interdisziplinäre Zugänge. Dresden 2004, S. 9.

[3] Vgl. Györgyi Bindorffer: Változatok a kettős identitásra. Kisebbségi léthelyzetek és identitásalakzatok a magyarországi horvátok, németek, szerbek, szlovákok, szlovének körében [Abhandlungen zur doppelten Identität. Minderheitliche Lebenswelten und Identitätskonstruktionen im Kreis der ungarischen Kroaten, Deutschen, Serben, Slowaken und Slowenen]. Budapest 2007, S. 10.

[4] Elisabeth Knipf-Komlósi: Zum Wortschatz der Sprachinseln am Beispiel der deutschen Sprachinseln in Ungarn. In: Ingeborg Geyer u. a. (Hgg.): Traditionen – Innovationen – Zukunftsvisionen. Deutsche Sprachinseln in Friaul und Ungarn als Brücken in ein neues Europa. Wien 2008, S. 47.

[5] Vgl. Bindorffer: Doppelte Identität, S. 9.

[6] »[A]z identitás megélését a fiatalabb generációk más területre helyezték át: a kulturális értékekhez és a hagyományokhoz való kötödés került előtérbe. Saját zenéjükhöz, népszokásaikhoz korosztálytól függetlenül erős érzelmi kötödés jellemzi őket.« (Übersetzung E. E.); Annamária Sasné Grósz: Egységesedés vagy elkülönülés? Német nemzetiségi fiatalok helykeresése napjainkban [Vereinheitlichung oder Abgrenzung? Die Suche der jungen Ungarndeutschen nach ihrer Position in der heutigen Zeit]. In: Béla Beszteri (Hg.): Ifjúsági jövőképek és életstratégiák globalizálódott korunkban [Zukunftsbilder und Lebensstrategien von Jugendlichen in unserer globalisierten Zeit]. Komárom 2009, S. 194.

[7] Rolf Eickelpasch, Claudia Rademacher: Identität. Bielefeld3 2010, S. 61.

[8] Vgl. Bindorffer: Doppelte Identität, S. 10.

[9] Vgl. Zsuzsanna Gerner: Zu Identitätskonzepten der Ungarndeutschen um die Jahrtausendwende: Abstammung – Sprache – Kultur. In: Johann Schuth (Hg.): Literatur, Literaturvermittlung, Identität. Budapest 2004, S. 77.

[10] Aschauer weist in diesem Zusammenhang auf eine Konsequenz dieser Entwicklung hin, die ebenso den oben erwähnten Aspekt der Wahl, der bewussten Entscheidung für das Ungarndeutschtum bei der jungen Generation hervorhebt: »Die heutige Nationalitätenintelligenz vermittelt institutionell – d. h. im Rahmen der Schule oder von Kulturgruppen – ethnische Merkmale, die sie selbst bereits im Rahmen dieser Institutionen erworben hat. Es entsteht damit neben den traditionellen Merkmalsträgern eine Gruppe von Menschen, die nicht bereits vorhandene Merkmale in Wert setzt, sondern die ungarndeutschen Kulturbestandteile zuerst als wertvoll etc. qualifiziert und sich dann um deren eigene wie fremde Rezeption bemüht. Das Nationalitätenbewußtsein ist also Voraussetzung für den Erwerb von Nationalitätenmerkmalen« Wolfgang Aschauer: Ethnische Identität bei den Ungarndeutschen. In: Gerhard Seewann (Hg.): Minderheitenfragen in Südosteuropa. Beiträge der Internationalen Konferenz: The Minority Question in Historical Perspective 1900–1990. München 1992, S. 172.

[11] Vgl. Zsuzsanna Gerner: Zum Selbstbild der Ungarndeutschen im Spiegel der aktuellen Minderheitenpolitik Ungarns. Ein Resümee der Minderheitenwahlen 2006. In: Ingeborg Geyer u. a. (Hgg.): Traditionen, S. 32.

[12] Vgl. Gerner: Zu Identitätskonzepten der Ungarndeutschen, S. 33.

[13] Für einzelne Studien zum Thema siehe Frank Kostrzewa, Roberta V. Rada (Hgg.): Deutsch als Fremd- und Minderheitensprache in Ungarn: Historische Entwicklung, aktuelle Tendenzen und Zukunftsperspektiven. Hohengehren 2010.

[14] Knipf-Komlósi: Zum Wortschatz der Sprachinseln, S. 53.

[15] Ebenda, S. 52.

[16] Vgl. Rita Pável: Entwicklungsgeschichtliche Erwägungen zur ungarndeutschen Literatur mit besonderer Rücksicht auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Budapest 2006 (unveröffentlichte Dissertation), S. 111.

[17] Eszter Propszt: Die ungarndeutsche Gegenwartsliteratur unter literatursoziologischem Aspekt. In: TRANS. Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften 3 (1998), <http://www.inst.at/trans/3Nr/propszt.htm>, 8.12.2014.

[18] Ebenda.

[19] Vgl. Signale. Neue-Zeitung-Beilage für Literatur und Kunst 23 (2006) H. 1.

[20] Daheim zwischen Petőfi und Goethe … die ungarndeutsche Literatur zwischen gestern und heute. Radiofeature. Gestaltung: Anat Kalman. Deutschlandradio Kultur, 12.1.2010, 19.30–20.00 Uhr.

[21] Zur Notwendigkeit einer inter- bzw. transdisziplinären Herangehensweise seitens der Germanistik und der Hungarologie an diese von Propszt herausgestellte Entwicklung siehe Erika Regner: Approaching from Both Sides – Contemporary Hungarian-German Minority Literature as a Challenge for the Hungarian Studies. In: Hungarian Studies 27 (2013) H. 1, S. 133–147.

[22] Hier sind u. a. Márton Kalász’ »Téli bárány« (Winterlamm), István Elmers »Parastzbarokk« (Bauernbarock) sowie die Werke von Róbert Balogh, »Schvab evangiliom«, »Schvab legendariom« und »Schvab diariom«, gemeint. Márton Kalász, einer der bekanntesten Vertreter der ungarndeutschen Literatur, wurde 1934 geboren und legte 1986 mit seinem Roman »Téli bárány« einen der bedeutendsten Romane über das Schicksal der Ungarndeutschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ungarischer Sprache vor. Kalász publizierte überwiegend auf Ungarisch und erzielte eine Reihe von literarischen Erfolgen, die sich in diversen Auszeichnungen und der Verleihung mehrerer Preise, darunter auch renommierte ungarische Literaturpreise wie den Attila- József-Preis (1971, 1987), den Sándor-Weöres-Preis (1995) und den János-Arany-Preis (2001), widerspiegelten. Im Detail auf die ungarischsprachige ungarndeutsche Literatur einzugehen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. So sei an dieser Stelle auf die Arbeiten von Eszter Propszt hingewiesen, u. a. Eszter Propszt: Vázlat a magyarországi német irodalomról [Skizze der ungarndeutschen Literatur]. In: PoLíSz 134 (2011), S. 28–30.

[23] »[J]óval differenciáltabb identitásalkotást [tesz] ugyanis lehetővé olvasóiknak azáltal, hogy az egyes, belsővé tételre kínált identitáselemeket mind szemantikailag, mind pszichológiailag differenciáltan, komplexen dolgozz[a] ki, és hogy az egyes identitáselemek közötti strukturális viszonyok komplexen re-konstruálják úgy a szociális valóságot, mint az egyes ember és közösség pszichikai valóságát.« (Übersetzung E. E.); Eszter Propszt: »Hol vagy, Balogh? Gyere ki, megöllek!«. Avagy mi szükség a magyarországi német irodalomra? [»Wo bist du, Balogh? Komm raus, ich bringe dich um!« Oder wozu braucht man die ungarndeutsche Literatur?], <http://www.napkut.hu/naput_2008/2008_5/089.htm>, 8.12.2014.

[24] Ebenda.

[25] Vgl. Propszt: Vázlat, S. 28.

[26] Im Laufe der Zeit wird die Problematik der bisher üblichen Einteilung der Minderheitenschriftsteller in Generationen offensichtlich. Trotzdem soll zum leichteren Verständnis in diesem Beitrag an der Einteilung festgehalten werden.

[27] .Siehe Johann Schuth (Hg.): Erkenntnisse 2000. Ungarndeutsche Anthologie. Budapest 2005; Manfred Peters (Hg.): Seitensprünge. Literatur aus deutschsprachigen Minderheiten in Europa. Wien 2009.

[28] Tatsächlich besuchten Arnold, Czövek, Korb und Szeifert deutschsprachige Nationalitätengymnasien und studierten – Valentin mit eingerechnet, jedoch mit Ausnahme von Czövek – Germanistik, Deutsch als Minderheitenfach und/oder Deutsch als Fremdsprache.

[29] Vgl. dazu u. a. folgende Textbeispiele: Angela Korb: Peim Kukuruzhacke. In: Signale. Neue-Zeitung-Beilage für Literatur und Kunst. 24 (2007) Nr. 1, S. 5; Christina Arnold: Der erste Schultag. Ebenda, S. 3; Dies.: Marillenbaum und andere Texte. In: Signale. 27 (2010) Nr. 1, S. 3.

[30] Siehe dazu Regner: Ungarndeutsche Literatur.

[31] Ebenda, S. 155.

[32] Ebenda, S. 160.

[33] Ebenda, S. 154.

[34] Ebenda, S. 161.

[35] Ebenda, S. 156.

[36] Siehe dazu <http://czovekandrea.uw.hu>, 19.1.2015.

[37] Im März 2012 wurden unter Mithilfe von Gábor Kecskeméti, dem Vorsitzenden des Vereins deutscher Hochschüler (VdH) Budapest, elektronische Fragebögen an 20 Ungarndeutsche zwischen 15 und 39 Jahren mit unterschiedlichem Bildungshintergrund verschickt. 12 davon sind aktive oder inaktive Mitglieder der 2005 gegründeten, gemischten Verbindung, die laut Kecskeméti ungarndeutsche, aber in erster Linie studentische Traditionen pflege. Von 20 Adressaten füllten trotz mehrmaliger Bitte zur Teilnahme insgesamt nur 3 Personen den Fragebogen aus. Die detaillierten Ergebnisse sind nachzulesen in Regner: Ungarndeutsche Literatur, S. 127f.

[38] Eine Ausnahme bildet hier die Behandlung von Angela Korbs Gedicht »Ungarndeutsch«, das allerdings sowohl thematisch als auch stilistisch der ungarndeutschen literarischen Tradition, wie sie von den Schriftstellern der ihr vorangegangenen Generation – speziell Valeria Koch und Claus Klotz – geprägt wurde, verpflichtet ist.

[39] Siehe dazu Regner: Ungarndeutsche Literatur, S. 93–123.

[40] Csilla Körösi: Heimat-Konzepte in der ungarndeutschen Literatur in Ungarn und in der Bundesrepublik Deutschland. In: Horst Fassel (Hg.): Zwischen Utopie und Realität. Deutsch-ungarische Literaturbeziehungen im Wandel. Die Beiträge des Budapester Symposions vom 21.–23. Juni 2000. Budapest 2001, S. 203.

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