Das Haus ist mein und doch nicht mein.
Es kommt nach mir ein anderer rein.
Ist auch nicht sein.

Christian Mayer(1)

Die historische Region Dobrudscha erstreckt sich zwischen dem Schwarzen Meer und der Donau, genauer dem Donaudelta im Norden und der bergigen Landschaft Ludogorje in Bulgarien im Süden. Die Dobrudscha bildet heute das Grenzgebiet zwischen Südostrumänien und Nordostbulgarien. Sie umfasst die beiden rumänischen Verwaltungskreise Tulcea und Konstanza/Constanţa sowie die beiden bulgarischen Bezirke Silistra und Dobritsch/Dobrič.
Vom Ende des 14. Jahrhunderts bis 1878 stand die Dobrudscha unter osmanischer Herrschaft. 1878 kam der eindeutig größere nördliche Teil zum Königreich Rumänien. Der bulgarische südliche Teil der Region wurde 1913 infolge des Zweiten Balkankrieges durch Rumänien annektiert und 1940 wieder an Bulgarien abgetreten. Seit damals ist die Region zwischen Rumänien und Bulgarien endgültig geteilt.(2)

Ansiedlung in der Dobrudscha

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts sind deutsche Siedler in mehreren Wellen in die Dobrudscha, die damals eine osmanische Region war, eingewandert. Die deutschen Siedler kamen mit wenigen Ausnahmen aus Bessarabien sowie den neurussischen Gouvernements Cherson, Jekaterinoslaw und Taurin(3) in die Dobrudscha. Diese Siedler wurden mehrheitlich 1812 unter Zar Alexander I. nach der Einverleibung Bessarabiens ins Russische Reich geholt, um das zu jener Zeit dünn besiedelte Bessarabien wiederaufzubauen.
Das Zarenreich verließen die deutschen Siedler Richtung osmanische Dobrudscha hauptsächlich aus ökonomischen Gründen, verursacht durch die verschlechterten Lebensbedingungen, d. h. vor allem wegen des Landmangels und des Verlusts von Privilegien, wie z. B. der Befreiung vom Militärdienst. Sie verließen Bessarabien bzw. Neurussland »aus eigenem Antrieb und auf eigene Hand […], um anderswo neues Land und ihr Glück zu suchen«(4) Die ersten deutschen Siedler gelangten 1841 in die Dobrudscha.(5)
In der damals dünnbesiedelten osmanischen Dobrudscha, in die sie in drei größeren Wellen – 1841–1857, 1873–1883 und 1890–1891 – einwanderten, wurden den deutschen Siedlern keinerlei Schwierigkeiten beim Landkauf und der Ansiedlung bereitet, zumal dort weder der Ackerbau noch ein fester Grundbesitz entwickelt war.(6) Das Osmanische Reich verfolgte keine gezielte Staatskolonisation. Die Zuwanderer waren in der Lage, den Ort ihrer Niederlassung frei zu wählen, wo sie ein »unbehelligtes und abgeschlossenes Eigenleben«(7) führen konnten: Ihnen wurde Religionsfreiheit gewährt und so viel Land zugewiesen, wie sie selbst bearbeiten konnten, und sie waren sechs Jahre von Steuern und dem Militärdienst befreit.(8)
Die ersten Ortsgründungen waren hauptsächlich Rodungssiedlungen im Norden der Dobrudscha auf staatlichem und herrenlosem Boden.(9) In der nördlichen Dobrudscha ließen sich die Deutschen ab den 40er Jahren bis Ende der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts nieder. Nach kurzem Aufenthalt in Măcin gründeten 1842 deutsche Kolonisten mit Akpunar ihre erste Siedlung in der Region. Es folgten Malkotsch/Malcoci bei Tulcea, Atmadscha/Atmagea, Katalui/Cataloi und Tschukurow/Ciucurova. Zwischen 1873 und 1883 ließen sich in der mittleren Dobrudscha Siedler in Kodschalak/Cogealac, Tariverde, Karamurat/Caramurat (aktueller Name: Mihail Kogălniceanu) und Fachria/ Făclia nieder. In den 1890er Jahren wurden von den deutschen Kolonisten u. a. Kobadin/Cobadin, Mandschapunar/Mangeapunar (aktueller Name: Costineşti), Neue Weingärten/Viile Noi sowie Groß-Pallas/Palazul Mare bei Konstanza gegründet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zogen deutsche Siedler auch in die Süddobrudscha weiter, den heute bulgarischen Teil der Region, der von den Rumänen auch Cadrilater genannt wird. Dort lebten sie verstreut in mehreren Orten. Eine größere Anzahl von deutschen Siedlern gründete in der Süddobrudscha die Orte Ali-Anife, von ihnen Kalfa genannt (aktueller Name: Dobrevo), und Tschobankuius/Cioban Cuius genannten »Kaschuben« kamen ebenfalls über das Zarenreich aus verschiedenen norddeutschen Regionen, u. a. aus dem Wartheland.
Die Anzahl der Dobrudschadeutschen hatte sich bis 1917 hauptsächlich aufgrund von Eigenwachstum verdreifacht. Im Jahr 1935 war sie auf 13 000 Personen gewachsen, davon 475 deutsche Siedler in der Süddobrudscha (Cadrilater = Bezirke Durostor und Caliacra).(11) Allerdings war der Anteil der Deutschen an der Gesamtbevölkerung der Dobrudscha damit relativ gering, sie machten 1,5 % der Gesamtbevölkerung der Region aus.
Die Dobrudschadeutschen lebten fast nur im ländlichen Raum der Region; das vorherrschende bäuerliche Gemeinschaftsleben (12) und die kulturelle Situation der deutschen Siedler wird als eine karge Existenzweise beschrieben, gekennzeichnet durch »strenge, kirchlich bestimmte Zucht«.(13)

Siedlungsstruktur

Im Gegensatz zu Russland bestanden in der Dobrudscha während der osmanischen Herrschaft keine behördlichen Vorschriften für eine planmäßige Anlage der Siedlungen. Auch später, als die Dobrudscha eine rumänische Region wurde, waren die Vorschriften sehr allgemein gehalten und wurden nur selten umgesetzt.(14)
Nur wenige Dörfer waren in der Dobrudscha ausschließlich von Deutschen besiedelt, in den meisten Orten lebten verschiedene Ethnien. Auf dem Dorfplan von Kobadin von 1936 ist dies deutlich zu erkennen. »Jede Gruppe bleibt streng für sich, lebt ihr eigenes Leben und hält treu an ihrer Eigenart, ihrer Sprache und Sitte fest.«(15) Auf der Karte sind die Höfe nach der ethnischen Zugehörigkeit der Hofbesitzer eingezeichnet. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Dobrudschadeutschen weitgehend geschlossen im eigenen Dorfviertel lebten – wie die anderen Ethnien auch. So gehörten hier in Kobadin die ganz dunkel gekennzeichneten Höfe im Osten und Südosten des Ortes deutschen Siedlern. Dieser Ortsteil wird auch heute noch »satul nemţesc« (das deutsche Dorf) genannt, obwohl dort seit 1940 hauptsächlich Aromunen leben.
Die dobrudschadeutschen Siedlungen waren ähnlich wie in Bessarabien und in Neurussland überwiegend weitläufig angelegt. Eine schnurgerade, mit Akazien bepflanzte Hauptstraße mit einer Breite von manchmal bis zu 35 Metern, wie in Tariverde, durchzog die meisten Dörfer. In der Mitte der Hauptstraße oder an einer anderen hervorgehobenen Stelle stand die Kirche oder das Bethaus und daneben meistens auch das Schulgebäude, in dem sich häufig eine Lehrerwohnung befand. In den dobrudschadeutschen Siedlungen wurde darauf geachtet, dass die Straßen bepflanzt waren.
Von den Siedlern wurde jeweils ein Dorfschulze gewählt. Diese freiwillige Gemeinschaftsordnung hatte weitgehend Bestand bis zur Umsiedlung der Dobrudschadeutschen von 1940, wenn auch der Schulze nach der Angliederung der Region an Rumänien über keine Rechte mehr verfügte, die über die deutsche Gemeinschaft hinausreichten.

Religion

Die Christen in der Dobrudscha konnten während der osmanischen Herrschaft ihr kirchliches Leben weitgehend frei gestalten.(16) In den deutschen Siedlungen hat eine »scharfe Ausprägung« des Glaubens geherrscht, die eine Vermischung mit »der fremdgläubigen und fremdvölkischen Umgebung« verhinderte und somit »wesentlich zur Erhaltung ihres Deutschtums« beitrug.(17)
Die Mehrheit der Dobrudschadeutschen war evangelisch-lutherischen Glaubens (1935: 55,3 %)(18) Sie wurden vom Evangelischen Oberkirchenrat zu Berlin betreut, der auch Pfarrer entsandte. So wurde in allen evangelischen Kirchen nur deutsch gepredigt, denn die Angehörigen der lutherischen Kirche in der Dobrudscha waren fast ausschließlich deutsche Siedler.
Die erste evangelische Kirchengemeinde wurde 1849 in Atmadscha gegründet.(19) Die Pfarrbezirke waren sehr groß und umfassten mehrere Gemeinden. Dies hatte zur Folge, dass der Pfarrer aufgrund der Entfernungen in manchen Gemeinden nur selten Gottesdienst feiern konnte. Deshalb wurde die sonntägliche Andacht in den meisten Gemeinden vom Lehrer (soweit vorhanden) oder einem Landwirt abgehalten. Die seelsorgerische Betreuung durch einen Pastor erfolgte nur unregelmäßig, was nicht selten dazu führte, dass sich unter den evangelischen Landwirten Sondergruppen(20) herausbildeten und auch Sekten ausbreiteten. Besonders erfolgreich waren unter den Dobrudschadeutschen die Baptisten (11 %). Die Spaltungen in den dobrudschadeutschen Gemeinden führten nicht selten zu »offenen Feindseligkeiten« unter den Siedlern, was auch zur Folge hatte, dass relativ viele Baptisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert sind.(21) Des Weiteren gab es unter den deutschen Siedlern noch Adventisten, diese bildeten unter den Dobrudschadeutschen gut 1,1 %(22) Vertreter anderer Freikirchen waren von noch geringerer Anzahl.
32,5 % der Dobrudschadeutschen gehörten im Jahr 1935 der römisch-katholischen Kirche(23) an. Die römisch-katholischen Kirchengemeinden in der Dobrudscha waren bis 1883 unter der Jurisdiktion des Bistums von Nikopoli, danach unterstanden sie der Erzdiözese Bukarest, die dafür sorgte, dass zumindest in einem Teil der Gemeinden deutsche Priester tätig werden konnten. Die Erzdiözese Bukarest richtete sich nach der ethnischen Zugehörigkeit ihrer Gläubigen, obwohl die Mehrheit der Katholiken in der Dobrudscha deutsche Siedler waren, denn in der Region lebten beispielsweise auch
Italiener, die ebenfalls römisch-katholisch waren. Allerdings waren die römisch-katholischen Gemeinden vergleichsweise recht gut mit geistlichem Personal besetzt, so erhielten Tulcea und Malkotsch bereits 1847 einen Pfarrer, und auch Karamurat und Kulelie/Colelia verfügten über je einen Geistlichen. Mandschapunar wurde von Konstanza aus mit versorgt.(24)
Protestanten und Katholiken lebten in der Dobrudscha zumeist räumlich getrennt in verschiedenen Siedlungen. Ihr Verhältnis zueinander wird von Hans Petri als ein »friedlich-schiedlich Nebeneinander« charakterisiert, während sich zu den Baptisten »gelegentlich ein gespanntes Verhältnis« herausgebildet habe.(25) Durch die Religion gelang es den Protestanten und Katholiken, sich gegen das andersgläubige und andersprachige Umfeld abzugrenzen, somit wurde die Religionszugehörigkeit zum »Schutzwall zur Bewahrung des Deutschtums«(26)

Ökonomie

Rund 80 % der deutschen Siedler in der Dobrudscha waren in der Landwirtschaft tätig; nur etwa 14 % waren Handwerker. Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg kam es bei den Deutschen in der Region auch zu einigen Unternehmensgründungen.
Trotz der günstigen Bodenverhältnisse führte der große Geburtenüberschuss unter den Dobrudschadeutschen dazu, dass die in der Region übliche Realteilung eine zunehmende Verarmung unter den Siedlern verursachte. So war bei den deutschen Siedlern in der Region die Anzahl der Geburten um das Dreieinhalbfache höher als die der Todesfälle.(27) Die immer kleiner werdenden Grundstücke konnten ihre Besitzer nicht mehr ernähren, was ein wachsendes soziales Problem darstellte, denn bereits mehr als 40 % der Dobrudschadeutschen waren im Umsiedlungsjahr 1940 landlose Bauern. Sie mussten in der Regel ihren Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten als Tagelöhner verdienen, weil sie kein Handwerk erlernt hatten, und blieben im Winter meist ohne Arbeit.
Nach dem Anschluss der Dobrudscha an Rumänien von 1878 wurde das öffentliche Leben in der Region durch gesetzliche Regelungen rumänisiert und es wurden neue staatliche Verwaltungsstrukturen geschaffen. Besonders problematisch erwies sich für die deutschen Neuansiedler (auch viele deutsche Kolonisten, die vor 1878 in die Dobrudscha einwanderten, waren in den 1880er Jahren noch keine rumänische Staatsangehörige) das Gesetz über den Landerwerb vom 3. April 1882. Demnach konnten nur rumänische Staatsbürger Grund und Boden kaufen. Die rumänische Staatsbürgerschaft konnte allerdings erst nach einem zehnjährigen Aufenthalt im Land beantragt werden. So besaß etwa ein Viertel der dobrudschadeutschen Landwirte zwei bis fünf Hektar Boden. Großgrundbesitzer mit mehr als 50 Hektar Boden waren unter den Dobrudschadeutschen nur selten zu finden.
Die Industrie in der Dobrudscha war bis weit ins 20. Jahrhundert relativ gering entwickelt. Dementsprechend waren auch nur wenige Dobrudschadeutsche außerhalb der Landwirtschaft tätig, bis auf Handwerker wie Tischler, Sattler oder Schmiede. In dobrudschadeutschem Besitz befanden sich 23 Mühlen wie auch einige Ziegeleien und zwei kleinere Textilbetriebe.(28) Vereinzelt wurde auch der Bienenzucht als Hauptbeschäftigung nachgegangen. Viehzucht wurde kaum betrieben, die Viehhaltung diente in der Regel nur dem Eigenbedarf. In einigen Ortschaften bei Konstanza wurden allerdings Milch und Sahne in größeren Mengen abgesetzt.(29) Wirtschaftsinstitutionen der deutschen Siedler, wie beispielsweise Banken oder landwirtschaftliche Organisationen, fehlten gänzlich.

Schule

In fast allen deutschen Siedlungen des Zarenreiches gab es eine auf eigene Kosten finanzierte Schule. Nach ihrer Weiterwanderung versuchten die Siedler auch in der Dobrudscha in jedem ihrer Orte eine Schule einzurichten. Da die kleinen, meist abgelegenen Ortschaften der deutschen Kolonisten zunächst nicht in der Lage waren, einen ausgebildeten Lehrer zu finanzieren, wurde dieser Posten meistens von einem Landwirt aus den eigenen Reihen übernommen. Häufig vergingen Jahre, bis in den dobrudschadeutschen Siedlungen ein ausgebildeter Lehrer und ein Pfarrer eingestellt werden konnten, um die Kinder zu unterrichten, Gemeindelisten zu führen und standesamtliche Aufzeichnungen zu tätigen. Wenn es den Gemeinden ökonomisch besser ging, versuchte man einen Lehrer einzustellen. Diese Stellen waren allerdings auch aufgrund der Bezahlung nicht besonders begehrt.(30) Das Lehrergehalt wurde hauptsächlich in Naturalien ausbezahlt. Da es unter den Dobrudschadeutschen noch keine intellektuelle Schicht gab, kamen die Lehrer aus Bessarabien, Siebenbürgen, Deutschland und der Schweiz.
Trotz der »gesetzlichen Möglichkeiten des Minderheitenschulwesens« gab es in der Region nur eine deutschsprachige Privatschule in Konstanza, die von 1892 bis 1944 bestand. Im ländlichen Raum, wo die überwiegende Mehrheit der Dobrudschadeutschen siedelte, wurde auch noch lange nach der Gründung der Siedlungen aus finanziellen Gründen der Unterricht oft nur durch einen der Dorfbewohner erteilt. Das machte eine Kontinuität oft unmöglich. Nicht selten wurde deshalb während des Sommers nur sonntags unterrichtet, dafür im Winter ganztägig. So stellte der Lehrer Louis Horn aus Atmadscha fest: »Was die Kinder im Winter gelernt haben, geht im Sommer wieder verloren.«(31)
Während der osmanischen Herrschaft waren den deutschen Siedlern keine Einschränkungen im Bildungsbereich auferlegt worden; sie mussten allerdings für die Finanzierung der Schulgebäude und der Lehrkräfte selbst aufkommen. Nach dem Anschluss der Dobrudscha an Rumänien begann man zu Beginn der 1880er Jahre, in den dobrudschadeutschen Siedlungen rumänische Staatslehrer einzusetzen,(32) die (meistens) kein Deutsch beherrschten. Auch in Gemeinden, wo es fast nur dobrudschadeutsche Schüler gab, wurden an staatlichen Schulen keine deutschsprachigen Klassen eingerichtet, alle Fächer wurden in rumänischer Sprache unterrichtet. Die deutschsprachigen Lehrer durften nur noch Deutsch und Religion in der Muttersprache unterrichten, mit einem Unterrichtsvolumen von maximal zwei Stunden pro Tag. Die dobrudschadeutschen Schulgebäude wurden zudem für die Staatsschulen beschlagnahmt, später wurden in den meisten größeren Gemeinden Schulen durch den Staat errichtet. Der deutsche Unterrichtsbetrieb wurde in vielen Siedlungen aufgegeben. Auch in der Großgemeinde Karamurat, wo die Kinder mehrheitlich aus dobrudschadeutschen Familien kamen, hat es ab 1902 keinen deutschsprachigen Unterricht mehr gegeben.(33) Doch in den meisten Gemeinden versuchten die Siedler den deutschsprachigen Unterricht zu erhalten und finanzierten eine deutschsprachige Lehrkraft.
Für das Schuljahr 1938/39 heißt es im Deutschen Volksblatt (Tarutino) vom 13. Januar 1940, dass es in den 67 von Deutschen bewohnten Orten in der Dobrudscha nur in 28 Gemeinden ein »deutsches Gemeindeleben« gab und davon nur in 20 Dörfern deutschsprachigen Schulunterricht. »Ein außerplanmäßiger, oft nur kümmerlicher Unterricht in deutscher Sprache«, heißt es dort weiter, »wurde mehr oder weniger regelmäßig in 20 Gemeinden, 15 evangelischen und 5 katholischen, abgehalten. In den übrigen 8 hat er ganz gefehlt.« Dies hatte zur Folge, dass die Kinder der deutschen Siedler häufig nur Rumänisch schreiben lernten und ihnen Deutsch nur zu Hause vermittelt wurde. Die Unterweisung in der deutschen Sprache blieb allein dem Pfarrer überlassen, im Heimatbuch der Dobrudschadeutschen 1840–1940 (Heilbronn 1986) wird sie als »nicht rosig« beschrieben. Erst im Jahr 1940, wenige Monate vor der Umsiedlung, gelang es in Kobadin, eine eigene deutschsprachige Gemeindeschule zu eröffnen. Auch in der rumänischen Geschichtsschreibung wird festgestellt, dass die Regierungen Rumäniens die Frage des muttersprachlichen Unterrichts für die Dobrudschadeutschen nicht gelöst haben.(34)
Die Schulen in den dobrudschadeutschen Siedlungen waren »Jahrzehnte lang nur Notbehelfe«,(35) die so gut wie keine Unterstützung aus Deutschland erhielten, mit Ausnahme der Deutschen Schule Konstanza, die den deutschen Siedlern in den von der Stadt entfernten Ortschaften freilich nicht zugute kommen konnte. Allerdings entstanden nach dem Ersten Weltkrieg durch Schenkungen von Seiten des Deutschen Reichs Volksbüchereien in neun deutschen Siedlungen und eine Bibliothek des Lehrerverbandes; Einrichtungen zur Erwachsenenbildung fehlten jedoch.(36)

Der Erste Weltkrieg und die Dobrudschadeutschen

Die Dobrudschadeutschen verhielten sich loyal gegenüber dem rumänischen Staat, viele von ihnen dienten während des Ersten Weltkrieges in der rumänischen Armee. Trotzdem wurden außer den Angehörigen der Zentralmächte rund 200 Dobrudschadeutsche, »die den rumänischen Behörden ebenfalls als verdächtig galten«(37), interniert.(38) So wurde auch der deutsche Pfarrer aus Malkotsch von Rumänen »als Geisel weggeschleppt«.(39) Des Weiteren wurde der Gebrauch der deutschen Sprache verboten und die deutschsprachige Schule in Konstanza unter rumänische Kontrolle gestellt. Der dobrudschadeutsche Gemeindebesitz wurde vom Staat als reichsdeutsches Eigentum konfisziert. Die Internierung der nun als Kriegsgegner geltenden reichsdeutschen und österreichischen Staatsbürger, die die Dobrudschadeutschen als Lehrer sowie in der Wirtschaft und Kirche unterstützten, führte zu einem jähen Ende des deutschen Gemeindelebens.
Nach der Besetzung der Dobrudscha 1916 durch deutsche(40), bulgarische und türkische Truppen begannen reichsdeutsche Feldgeistliche und Soldaten deutschsprachigen Gottesdienst und Unterricht abzuhalten. Von 1916 bis 1918 gab die Deutsche Etappenverwaltung den Dobrudscha-Boten heraus, die einzige deutschsprachige Zeitung der Region. Später erschienen als 14tägige Beilage zur Deutschen Zeitung Bessarabiens die Dobrudscha-Nachrichten. Zwei Jahre später wurden sie wieder als Beilage des Deutschen Volksblatts aus dem bessarabischen Tarutino veröffentlicht.(41) In den dobrudschadeutschen Siedlungen wurden daneben in erster Linie die deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften aus Bukarest und Arad gelesen.(42)

Politik

Ein eigenständiges politisches Leben entwickelte sich bei den Dobrudschadeutschen relativ spät. Erst 1913, kurz vor dem Ersten Weltkrieg, entstand die erste dobrudschadeutsche Organisation in der Region, der »Deutsch-rumänische Kolonistenverband«, der sich für die Interessen der Siedler bei den Behörden, die Lösung ökonomischer Probleme und die »Pflege deutscher Sitte und Kultur« in der Dobrudscha einsetzen wollte.(43) Im Jahre 1918 wurde der »Verein der Deutschen aus der Dobrudscha« gegründet, der sich neben den »völkischen Interessen« und den »wirtschaftlichen Interessen« auch schon mit der »Auswandererfrage« beschäftigte, wo es um die »planmäßige Rückwanderung zur Erhaltung der Deutschen für das Deutschtum« ging.(44) Schließlich wurde 1924, nachdem Siebenbürgen, das Banat, Bessarabien und die Bukowina an Rumänien angeschlossen wurden, der »Verband rumänischer Bürger deutscher Abstammung in der Dobrudscha« gegründet. Dieser Verband machte es sich zur Aufgabe, für die politischen Belange der Dobrudschadeutschen gegenüber dem Staat einzutreten. Wenn es dem Verband auch nicht gelang, eigene Vertreter ins rumänische Parlament zu entsenden (auch nicht auf Listen anderer Parteien), so setzte er sich nicht ganz erfolglos beispielsweise für die Zuteilung von 10 Hektar Land für jede Kirchengemeinde, die Anstellung von deutschsprachigen Lehrern oder die Errichtung von Schulgebäuden in den deutschen Siedlungen ein. Dem Verband der Deutschen in Rumänien schloss er sich 1931 an. Nach der Übernahme der Verbandsleitung in der Dobrudscha durch Johannes Klukas von 1934 wurde er zunächst Volksratspräsident und nach der späteren Umbenennung Gauobmann innerhalb der »Volksgemeinschaft«. Kurz vor der Umsiedlung wurde Klukas in der dobrudschadeutschen Verbandsleitung von seinem politischen Kontrahenten Paul Unterschütz abgelöst. Im Herbst 1938 wurde die Einheit der Deutschen in Rumänien auf Druck Berlins hergestellt, was die Gleichschaltung der Deutschen Volksgruppe in Rumänien einleitete.

Umsiedlung

Bereits ab 1918 wurde versucht, mit Deutschland engere Kontakte über ethnische und ökonomische Interessen zu knüpfen. Die Diskussion um eine planmäßige Rückwanderung nach Deutschland verstärkte sich Ende der 1930er Jahre und kreiste hauptsächlich um die Frage der Überlebensfähigkeit der ethnischen Gruppe. Denn das politische Leben der Deutschen in der Region, die hauptsächlich in der heute rumänischen Dobrudscha siedelten, war relativ schwach entwickelt. Die Schwierigkeiten der deutschen Siedler in der Dobrudscha wurden größer. Landerwerb war für die deutschen Siedler, die überwiegend in kinderreichen Familien lebten, nicht mehr möglich; junge Familien konnten »sich keine Existenzgrundlage mehr schaffen«. (45) Deshalb schlug Klukas 1938 Landesobmann Fritz Fabritius vor, vorab 300 bis 400 ärmere Familien nach Deutschland umzusiedeln.(46) Fabritius war mit der Aktion einverstanden, und so kamen von Anfang 1939 bis Sommer 1940 im Rahmen dieser sogenannten »Vorumsiedlung« ca. 1600 bis 1700 Dobrudschadeutsche ins Deutsche Reich.(47)
Die recht schwierige ökonomische und kulturelle Situation vieler Dobrudschadeutscher ließ besonders bei der landlosen Bevölkerung den Wunsch nach Umsiedlung reifen, so dass Johannes Klukas, der Gauobmann der Dobrudscha, mit seiner Politik des »Hinauf ins Reich« keinen nennenswerten Schwierigkeiten begegnete.(48)
Die äußerst positive Berichterstattung der rumäniendeutschen Presse über das Deutsche Reich verstärkte noch die Auswanderungstendenzen bei vielen Dobrudschadeutschen, die sich laut eines Berichts des deutschen Konsuls Lörner in Galatz an das Berliner Auswärtige Amt buchstäblich zu einer »Auswanderungspsychose« entwickelte.(49) Tatsächlich wurde Klukas bereits im Herbst 1939 die Umsiedlung der Dobrudschadeutschen durch Lorenz, den Chef der »Volksdeutschen Mittelstelle«, der Behörde, die die volkstumspolitischen Ziele des Nationalsozialismus bezüglich der Volksdeutschen umsetzte, in Anwesenheit von Konsul Lörner grundsätzlich zugesagt.(50)
Die Dobrudschadeutschen wurden als »nichthaltbarer Splitter« (51) eingestuft, deren Überlebensfähigkeit als Ethnie in der Region demnach nicht gegeben war. Die Entscheidung zur Umsiedlung wurde aber letztendlich in Berlin getroffen; Dobrudschadeutsche waren am Zustandekommen des deutsch-rumänischen Umsiedlungsvertrages nicht unmittelbar beteiligt, der am 22. Oktober 1940 in Bukarest zwischen dem Deutschen Reich und Rumänien unterzeichnet wurde.
In nur wenigen Wochen organisierten Taxatoren mit Hilfe von Dolmetschern und Ärzten die Umsiedlung. Unter erheblichem Zeitdruck stellten die zumeist ortsunkundigen Taxatoren die Vermögenswerte fest. Widerstände gegen die Umsiedlung kamen eher von außen, weniger von den Betroffenen selbst. Während die rumänische Regierung vorsichtig handelte und der deutschen Seite in hohem Maße entgegen kam, war das Erzbischöfliche Ordinariat von Bukarest gegen eine Umsiedlung der dobrudschadeutschen Katholiken.
Die Dobrudschadeutschen begrüßten das Vorhaben mehrheitlich, auch wenn viele schweren Herzens aus der ihnen inzwischen zur Heimat gewordenen Dobrudscha weggingen. In der Erinnerung wird die Umsiedlung als »Vertreibung aus dem Paradies«(52)beschrieben. Allerdings schlossen sich dem Fortzug fast alle an, um nicht als Deutsche allein in der Region zurückzubleiben.
Die Dobrudschadeutschen wurden per Bahn zum Donauhafen Cernavodă gebracht, von wo aus ihre Verschiffung auf dem Donauweg bis Semlin erfolgte, und von dort ging es mit der Bahn weiter ins Deutsche Reich. Der letzte Transport mit Dobrudschadeutschen passierte die Reichsgrenze am 13. Dezember 1940. Die deutschen Siedlungen in der Dobrudscha hatten nun aufgrund der nationalsozialistischen Volkstumspolitik aufgehört zu bestehen.

Neuansiedlung im »Osten«

Für die 15 454 deutschen Umsiedler aus der Dobrudscha(53) – einschließlich der etwa 500 Personen aus Bulgarien, die 1943 folgten – begann nun ein Leben in Massenquartieren. Die Dobrudschadeutschen kamen übergangsweise in Lager in den Reichsgauen Mainfranken und Niederdonau, bevor die meisten von ihnen zumeist 1942, also nach Ablauf von zwei Jahren, hauptsächlich im Warthegau und im Protektorat Böhmen und Mähren angesiedelt wurden. In den letzten Kriegsmonaten befanden sich allerdings noch 1 271 Dobrudschadeutsche in den Lagern.(54)
Die meisten der Umsiedler favorisierten die Ansiedlung im Osten, denn damit hätten, zumindest laut der gängigen Vorstellung, nicht nur die gewachsenen Dorfgemeinschaften aus der Dobrudscha erhalten bleiben können, sondern man hoffte auch auf »Naturalersatz«. Ein Wohnsitz im Altreich war aus Sicht der meisten Dobrudschadeutschen weniger erstrebenswert, denn schließlich standen dort keine Höfe als Ausgleichsobjekte für die Umsiedler zur Verfügung, die Bauern hätten folglich im Altreich einer unselbständigen Tätigkeit nachgehen müssen.
Je länger die Dobrudschadeutschen auf ihre Ansiedlung warten mussten, desto größer wurde die Kritik, die sich im besonderen Maße gegen die Art und Weise des Umsiedlungsvorgangs richtete, vor allem aber auch gegen das Auseinanderreißen der in der Dobrudscha gewachsenen Dorfgemeinschaften.(55)
Viele Illusionen gingen recht schnell verloren.(56) Denn gewachsene Traditionen und vorhandene Wertvorstellungen fanden keine Berücksichtigung bei der Neuansiedlung auf unrechtmäßig enteignetem Besitz von Polen und Tschechen, wie viele Dobrudschadeutsche schnell merkten, und häufig war der neuerlangte Besitz nicht gleichwertig mit dem in der Dobrudscha verlorenen.(57)
Die 1940 Umgesiedelten waren inzwischen zu reichsdeutschen Staatsangehörigen geworden. Mit dem Weggang hatten sie im Rahmen des Abkommens die rumänische Staatsangehörigkeit verloren und kurz nach ihrer Ankunft im Deutschen Reich die deutsche erlangt. Trotz der Sonderregelungen für Umsiedler wurde ein großer Teil der Männer zur Wehrmacht beziehungsweise zur Waffen-SS eingezogen und stand an der Front.(58)

Flucht

Mit Beginn der zweiten Januarhälfte 1945 hatten die Deutschen im Osten und somit auch die Umsiedler aus der Dobrudscha den Evakuierungsbefehl erhalten.(59) Nun zogen zahlreiche Trecks durch Schnee und Eis in Richtung Westen.(60) Die Umsiedler, die nicht rechtzeitig in den Westen hatten fliehen können, wurden teilweise erst 1950 aus Polen nach Deutschland entlassen.
Etwa 2000 bis 3000 Dobrudschadeutsche(61) die in Böhmen und Mähren angesiedelt worden waren, gelangten 1945 unter abenteuerlichen Bedingungen zurück nach Rumänien.(62) Dort trafen sie in ihren Heimatorten in ihren ehemaligen Häusern Aromunen an, die 1940 infolge des Vertrags von Craiova (63) aus der Süddobrudscha in den ehemaligen Dobrudschadeutschen Ortschaften angesiedelt worden waren. Obwohl nicht wenige Rumänen vor Ort die Rückkehr der Dobrudschadeutschen begrüßten,(64) ergriffen die meisten der Betroffenen 1947 desillusioniert die ihnen gebotene Möglichkeit und verließen die Dobrudscha wieder Richtung Deutschland.

Neubeginn im Westen

Nach dem Krieg wurde umgehend damit begonnen, die ehemaligen Bewohner der Vertreibungs- und Umsiedlungsgebiete namentlich in Heimatortskarteien zu erfassen, um eine Familienzusammenführung zu ermöglichen. Nach der statistischen Auswertung des vorhandenen Karteimaterials von 1964 wurden für die Zeit vor Kriegsende namentlich 15 718 Deutsche aus der rumänischen und bulgarischen Dobrudscha gezählt. Von den vor dem Kriegsende bekannten Dobrudschadeutschen wurden 13 489 Personen »als lebend festgestellt«.(65) Die meisten Dobrudschadeutschen flohen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Süddeutschland. Einige zog es allerdings auch weiter, in die Vereinigten Staaten und nach Kanada. Auf das Gebiet der späteren Bonner Republik (einschließlich Berlin-West) kamen 8559 und in die spätere DDR (einschließlich Berlin-Ost) 2318 Dobrudschadeutsche. In das westliche Europa (hauptsächlich nach Österreich) gelangten 384 und nach Übersee 1476 Personen; in den Ansiedlungsgebieten verblieben 31 Dobrudschaner. In Rumänien lebten 721 deutsche Dobrudschaner.(66)
In der Bundesrepublik Deutschland wurde im Mai 1950 die Landsmannschaft der Dobrudschadeutschen gegründet,(67) im Juli 1955 wurde aufgrund des Antrags der Bulgariendeutschen der Verein in Landsmannschaft der Dobrudscha- und Bulgariendeutschen umbenannt. Die auf dem Territorium der DDR verbliebenen Dobrudschadeutschen konnten sich aus politischen Gründen nicht organisieren.
Sehr viele Dobrudschadeutsche siedelten sich nun im Landkreis Heilbronn an.(68) So gründeten beispielsweise in Nordhausen bei Heilbronn Dobrudschadeutsche ein Viertel, das im Juni 1955 den Namen Fachria-Siedlung erhielt, nach dem Heimatort vieler dort lebender Dobrudschaner.(69) Die Bewohner passten sich ihrer neuen Umgebung weitgehend an, sehnten sich aber nicht selten nach ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit in der »alten Heimat«: »Eine Heimat finden wir nicht mehr, so, wie wir es uns einst vorgestellt hatten. Ein freier Bauer auf freier Scholle.«(70)
Im Jahre 1954 übernahm die Stadt Heilbronn die Patenschaft über die Dobrudschadeutschen. So hatte die Landsmannschaft der Dobrudscha- und Bulgariendeutschen über Jahrzehnte hinweg ihren Sitz in der Stadt am Neckar im nördlichen Baden-Württemberg. Heilbronn war nun das kulturelle Zentrum der Dobrudschadeutschen; dort fanden z. B. ihre jährlichen Pfingsttreffen statt. Von 1956 bis 1977 wurden in Deutschland von Otto Klett, dem langjährigen Vorsitzenden der Landsmannschaft(71), die Jahrbücher der Dobrudschadeutschen herausgebracht, mit denen er dem »Chronisten« Unterlagen geben wollte, um zu den Dobrudschadeutschen und der gesamten Region in ihrer ethnischen und kulturellen Vielfalt forschen zu können.(72) Nach Kletts Tod gab die Landsmannschaft von 1977 bis 2008 den Dobrudschaboten heraus.(73) Zudem gab es 40 Jahre lang (von 1949 bis 1989) den Rundbrief der Dobrudschadeutschen, den Pastor Herbert Hahn monatlich, ab 1985 zweimonatlich veröffentlichte.(74) Im Jahre 2009 ist die Landsmannschaft der Dobrudscha- und Bulgariendeutschen aufgrund der Altersstruktur und des daraus resultierenden Mitgliederschwunds im Bessarabiendeutschen Verein (Stuttgart) aufgegangen.

Deutsche in der Dobrudscha nach 1989

Nach dem politischen Umbruch von 1989 in Rumänien wurde das frühere Gebäude der Evangelischen Schule Konstanza wieder zur freien Verfügung der Deutschen evangelischen Gemeinde Konstanza e. V. gestellt, die es mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland sanierte und als »Begegnungsstätte der Deutschen« eröffnete. In dem Gebäude ist das Zentrumsforum Konstanza innerhalb des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, der parlamentarischen Interessenvertretung der deutschen Minderheit, untergebracht; bis 2006 beherbergte die Begegnungsstätte auch den Rumänisch-Deutschen Kindergarten sowie eine Deutsche Bibliothek.
Laut der rumänischen Volkszählung von 2011 lebten in der Dobrudscha noch 166 Deutsche, die allerdings in großer Zahl aus dem Banat und Siebenbürgen in die Städte Konstanza und Tulcea – zumeist aus beruflichen Gründen und hauptsächlich während der staatssozialistischen Periode – zugewandert waren.(75)
Einzelne Kirchen und einige Friedhöfe der deutschen Siedler in der Region sind über die Jahrzehnte hinweg erhalten geblieben, häufig dank der Unterstützung deutscher Dobrudschaner – wie sie sich stolz nennen – aus dem Westen mit Hilfe ihrer Landsmannschaft. Zudem hat die Landsmannschaft der Dobrudschadeutschen ab 2002 versucht, mit der Errichtung von Gedenksteinen in einigen ehemaligen deutschen Siedlungsorten in der Region die Erinnerung an die knapp 100-jährige Geschichte der Deutschen in der Dobrudscha wach zu halten.

 

Dr. Josef Sallanz, geboren 1963 in Arad (Rumänien), hat politische Wissenschaft, Germanistik, Romanistik und Humangeografie in Heidelberg und Potsdam studiert. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich osteuropäische Geschichte der Johannes Gutenberg Universität Mainz mit dem von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien geförderten Forschungsprojekt Deutsche und ihre Nachbarn in der Dobrudscha. Zu den Verflechtungen ethnischer Gruppen zwischen Donau und Schwarzem Meer. Seine Promotion in Humangeografie erfolgte an der Universität Potsdam mit der Arbeit Bedeutungswandel von Ethnizität unter dem Einfluss von Globalisierung. Die rumänische Dobrudscha als Beispiel (Potsdam 2007). Zuletzt gab er mit Wilfried Heller den Band Die Dobrudscha – ein neuer Grenzraum der Europäischen Union. Sozioökonomische, ethnische, politisch-geographische und ökologische Probleme (München 2009) heraus. Seine Forschungsschwerpunkte sind regionale Themen über die Dobrudscha und das Banat aus historisch-geografischer Perspektive, Transformationsprozesse in Südosteuropa nach 1989, Minderheiten- und Kulturpolitik, Grenzregionen im östlichen Europa.

Zuerst erschienen in: Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Heft 1 (2014), Jg. 10 (64), Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, S. 19–36.

(1) Verse am Giebel des dobrudschadeutschen Bauernhauses von Christian Mayer in Tariverde. Zitiert nach Paul Traeger: Die Deutschen in der Dobrudscha. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Wanderungen in Osteuropa. Stuttgart 1922 (Schriften des Deutschen Auslands-Instituts Stuttgart. A. Kulturhistorische Reihe, 6), S. 144.
(2) Ausführlicher zur Geschichte der Dobrudscha mit umfangreicher Bibliografie, vgl. Andrea Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Frankfurt am Main u. a. 1994 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 622), S. 17–196; Josef Sallanz: Bedeutungswandel von Ethnizität unter dem Einfluss von Globalisierung. Die rumänische Dobrudscha als Beispiel. Potsdam 2007, S. 47–91.
(3) Zur Einwanderung der deutschen Siedler nach Neurussland und Bessarabien im 18. und 19. Jahrhundert besteht eine recht umfangreiche Literatur. Stellvertretend seien hier genannt Alfred Eisfeld: Die Rußlanddeutschen. München 1992 (=Vertreibungsgebiete und vertriebene Deutsche 2) und Detlef Brandes: Von den Zaren adoptiert. Die deutschen Kolonisten und die Balkansiedler in Neurußland und Bessarabien 1751–1914. München 1993 (= Schriften des Bundesinstituts für Ostdeutsche Kultur und Geschichte 2) mit ausführlicher Bibliografie.
(4) Vgl. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Anm. 1, S. 31.
(5) Zur Ansiedlung der deutschen Kolonisten in der Dobrudscha vgl. Traeger, ebenda, S. 34ff.; Andrea Schmidt-Rösler: Von Bessarabien in die Dobrudscha. Zur Siedlungsgeschichte der Dobrudschadeutschen. In:  Regensburger Hefte zur Geschichte und Kultur im östlichen Europa 3 (2007)6, Sonderheft, S. 53–60.
(6) Vgl. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha. Anm. 1, S. 6.
(7) Ebenda: »Im ganzen aber ist die Dobrudscha auch während der langen Türkenzeit ein dünnbesiedeltes Land
geblieben, in dem sich weder der Ackerbau noch ein fester Grundbesitz entwickelte.«
(8) Vgl. die Übersetzung des Kolonisationsreglements für die Türkei, ebenda, S. 220–222.
(9) Vgl. Sonderdruck aus Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums: Dobrudscha. 1940, S. 283.
(10) Ebenda, S. 285.
(11) Ebenda, S. 281.
(12) Einen Einblick in die Lebensformen und kulturellen Werte der Dobrudschadeutschen vermittelt M. Monika Niermann: Deutsche Kindheit in der Dobrudscha. Marburg 1996 (Schriftenreihe der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e.V. 74).
(13) Vgl. Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, Anm. 9, S. 285.
(14) Vgl. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Anm. 1, S. 140.
(15) Vgl. ebenda, Anm. 1, S. 16.
(16) Kleinere Einschränkungen gab es beispielsweise für den Bau von Kirchen oder die Berufung von Pfarrern. Vgl. Andrea Schmidt-Rösler: Die deutschen evangelischen Gemeinden in der Dobrudscha. In: Christa Stache, Wolfram G. Theilemann (Hgg.): Evangelisch in Altrumänien. Forschungen und Quellen zur Geschichte der deutschsprachigen evangelischen Kirchengemeinden im rumänischen Regat. Hermannstadt und Bonn 2012 (Veröffentlichungen des Evangelischen Zentralarchivs in Berlin, 9; Miscellanea ecclesiastica. Veröffentlichungen des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, 9), S. 100.
(17) Vgl. Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, Anm. 9, S. 288.
(18) Ebenda, S. 281.
(19) Zur Geschichte der ersten deutschen evangelischen Gemeinde in der Dobrudscha vgl. Christa Stache: Die deutsche evangelische Kirchengemeinde in Atmagea. Eine preußische Gemeinde im Osmanischen Reich. In: Stache / Theilemann (Hgg.): Evangelisch in Altrumänien, Anm. 16, S. 122–144.
(20) Auch in einigen römisch-katholischen Gemeinden bildeten sich, ähnlich den Brüdervereinigungen in evangelischen Gemeinden, besonders religiöse Gruppen, »Maria-Brüderschaften« genannt, die für sich eigene Andachten abhielten. Vgl. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Anm. 1, S. 168.
(21) Ebenda, S. 167.
(22) Vgl. Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, Anm. 9, S. 281.
(23) Ebenda.
(24) Vgl. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Anm. 1, S. 167.
(25) Vgl. Hans Petri: Geschichte der deutschen Siedlungen in der Dobrudscha. München 1956, S. 33.
(26) Ebenda, S. 34.
(27) Vgl. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Anm. 1, S. 132.
(28) Vgl. Petri, Geschichte der deutschen Siedlungen, Anm. 25, S. 19.
(29) Vgl. Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, Anm. 9, S. 288.
(30) Die Situation um das Lehrergehalt fasste der als Nestor der dobrudschadeutschen Lehrerschaft geltende Johann Straub 1934 folgendermaßen zusammen: »Einen etwas höheren Lohn bekam ich im vergangenen Jahr. […] ›Zum Sterben zu viel, zum Leben fast zu wenig.‹ Ein arbeitsreiches Leben, sowohl in geistiger als auch in körperlicher Hinsicht, liegt hinter mir. Und die Aussichten auf einen ruhigen, sorglosen Lebensabend sind fast null. Das ist das Los aller alten Dobrudschalehrer. Möge es den jungen Kollegen, die jetzt an unsere Stelle treten, einmal besser gehen.« Zitiert nach Otto Klett: Vom Schulwesen der Dobrudschadeutschen. In: Südostdeutsche Vierteljahresblätter 15 (1966)1, S. 24.
(31) Zitiert nach Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Anm. 1, S. 162.
(32) Allein in den von katholischen Dobrudschadeutschen bewohnten Orten Karamurat und Kulelie wurde nach
einem Besuch König Carols I. aufgrund einer Zusage von 1905 der deutschsprachige Lehrer von staatlicher Seite finanziert. Vgl. Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, Anm. 9, S. 289.
(33)  Vgl. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Anm. 1, S. 162.
(34) Vgl. Vasile Ciobanu: Date noi privind germanii din Dobrogea în perioda interbelică [Neue Daten bezüglich
der Dobrudschadeutschen in der Zwischenkriegszeit]. In: Valentin Ciorbea (Hg.): Germanii dobrogeni – istorie şi civilizaţie [Die Dobrudschadeutschen – Geschichte und Zivilisation]. Constanţa 2006, S. 191.
(35)  Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Anm. 1, S. 215.
(36)  Vgl. Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, Anm. 9, S. 289.
(37) Vgl. Friedrich Steinmann: Interniert. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 6(1961), S. 136–143, hier: S. 136. Auch Gottlieb Steinmann, der sich als Landwirt in der dobrudschadeutschen Siedlung Horoslar niedergelassen hatte, wurde trotz seiner Schweizer Staatsbürgerschaft 1916 interniert und konnte erst nach elfeinhalb Monaten in die Schweiz ausreisen. Im Sommer 1918 kehrte er wieder auf seinen Hof in der Dobrudscha zurück. Ebenso wurde der »Primar« (Bürgermeister) von Malkotsch, Josef Tuchscherer, interniert. Vgl. Rochus Tuchscherer: Aus dem Leben eines Malkotschers. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 6 (1961), S. 147.
(38) 
Vgl. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Anm. 1, S. 138.
(39) Ebenda, S. 50.
(40) Die danach eingesetzte deutsche Etappenverwaltung brachte mehrere Broschüren über die Dobrudscha heraus, die Aufschluss gaben über die Verwaltung, die ökonomischen Verhältnisse, das Transportwesen, das Gesundheitssystem, das Geldwesen in der Region und die ethnische Vielfalt der Dobrudscha.
(41) Vgl. Denkschrift der Deutschen Etappenverwaltung in der Dobrudscha. Abgeschlossen Mitte April 1917. (Eine zweisprachige, deutsch-rumänische, Neuauflage der Denkschrift erschien unter dem Titel: Memoriu al Administraţiei Germane de Etapă din Dobrogea. Întocmit la mijlocul lui aprilie 1917 in Constanţa 2012) sowie: Bilder aus der Dobrudscha. Herausgegeben von der Deutschen Etappen-Verwaltung in der Dobrudscha. Constanza 1918. Die rumänischsprachige Ausgabe des Bandes enthält eine umfangreiche Bibliografie zur Geschichte der Dobrudscha- deutschen von Vasile Ciobanu: Bilder aus der Dobrudscha 1916–1918. Imagini din Dobrogea 1916–1918. Traducere [Übersetzung]: Gustav Rückert. Constanţa 2011, S. 337–374.
(42) Vgl. Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, Anm. 9, S. 289.
(43) Vgl. Karl O. Kurth: Handbuch der Presse der Heimatvertriebenen. Hg. im Auftrag des Göttinger Arbeitskreises. Kitzingen/Main 1953 (Der Göttinger Arbeitskreis 76), S. 211.
Vgl. Ortfried Kotzian: Die Umsiedler. Die Deutschen aus West-Wolhynien, Galizien, der Bukowina, Bessarabien, der Dobrudscha und in der Karpatenukraine. München 2005 (Studienbuchreihe der Stiftung Kulturrat 11), S. 263.
(44) Ebenda.
(45) Vgl. die Schilderung des ehemaligen Gauleiters der Dobrudscha Johannes Klukas: Wie es zur Umsiedlung der 
Dobrudschadeutschen gekommen ist. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 16(1971), S. 41–42.
(46) Vgl. Dirk Jachomowski: Die Umsiedlung der Bessarabien-, Bukowina- und Dobrudschadeutschen. Von der Volksgruppe in Rumänien zur »Siedlungsbrücke« an der Reichsgrenze. München 1984 (Buchreihe der Südost
deutschen Historischen Kommission 32), S. 27.
(47)  Zahlen nach: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 2 (1957), S. 178. Vgl. dazu auch Otto Klett: Die Umsiedlung der
Dobrudschadeutschen im Jahre 1940. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 1 (1956), S. 21.
(48)  So schreibt Johann Adam in seinem Tagebuch: »Es geht alles so widerstandlos vor sich, dass die Gegner der Umsiedlung gar nicht zu Worte kommen. Einer, der dennoch wagt, dagegenzusprechen, wird von der ganzen Kommission aufgesucht und bearbeitet. Er geht auch mit.« In: Die Umsiedlung und ihre Folgen. Aus dem Tagebuch von Johann Adam. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 1 (1956), S. 45.
(49) Vgl. Jachomowski, Die Umsiedlung, Anm. 46, S. 27.
(50) Ebenda, S. 50. Überlegungen des rumäniendeutschen Politikers Hans Otto Roth oder des Hermannstädter
Schulrats Gustav Rösler, die Dobrudschadeutschen in Siebenbürgen anzusiedeln, wurden von reichsdeutscher Seite nicht weiter verfolgt, weil die Vorstellungen der Siebenbürger Sachsen den Berliner Plänen entgegenstanden. Ebenda, S. 50–52.
(51) Ebenda, S. 52.
(52)  Vgl. Mathilde Klein: Von Malkotsch nach Welbsleben. Eine Dobrudscha-Deutsche erzählt ihr Leben. Norderstedt 2009, S. 22ff.
(53)  Zahl nach Jachomowski, Die Umsiedlung, Anm. 46, S. 191, laut Bericht über den Stand (vom 1. Juni 1944) der Um- und Ansiedlung (Stabshauptamt RKF). Bundesarchiv R49/469/196-197. In der Nordddobrudscha befanden sich 1941 noch 1 693 Dobrudschadeutsche. Vgl. ebenda, S. 100.
(54)  Ebenda, S. 189.
(55) Vgl. Johannes Florian Müller: Ostdeutsches Schicksal am Schwarzen Meer. Donzdorf 1981, S. 248–256.
(56) So schreibt Wilhelm Brenner aus Fachria 20 Jahre nach der Umsiedlung: »Die meisten unserer Landsleute denken noch heute mit innerer Bewegung an diesen entscheidungsreichen Tag, der uns neben wenigen Freuden so viele Enttäuschungen gebracht hat.« In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 5 (1960), S. 96.
(57) Vgl. den ausführlichen Bericht von Irmgard Gerlinde Stiller:Heimat–Umsiedler, Ansiedler, Flüchtling, Neubürger. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 5 (1960), S. 31–94.
(58) Friedrich Schmolke aus Groß-Pallas beschreibt die Geschehnisse rund 20 Jahre später folgendermaßen: »Im Jahre 1942 ging es zur Ansiedlung in das Wartheland. Wie es dort zugegangen ist, war alles gegen unseren Willen. Wir wurden in die SA gezwungen. Das war keine gute Sache. Zu allem musste man immer antreten, wir wurden dauernd gequält. Ich kenne keinen von meinen Landsleuten, der dort nicht widerwillig mitgemacht hätte.« Vgl. Friedrich Schmolke: Kurzer Bericht über meine Erlebnisse im Jahre 1945. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 5(1960), S. 108.
(59) Vgl. Therese Erker: Unsere Flucht 1945 – als Flüchtlinge in Österreich. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 6 (1961), S. 149–181; Karl Rüb: Erinnerungen an die Notjahre 1945 – 1948. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 7 (1962), S. 43–61.
(60) Vgl. Emanuel Schlaps: Aus dem Tagebuch meines Vaters (Schluss). In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 15(1970), S. 38–42.
(61) Zahlen nach Vasile Nicoară: Dobrogea. Spaţiu geografic multicultural [Die Dobrudscha. Multikultureller geografischer Raum]. Constanţa 2006, S. 152.
(62) Über die Flucht nach Rumänien und die dort angetroffene Situation sowie die Umstände der Rückkehr nach Deutschland vgl. die Berichte von Regina Mayer (aus Tariverde), in: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 5 (1960), S. 111–125, und von Johannes und Katharina Ternes (aus Karamurat), in: Müller, Ostdeutsches Schicksal, Anm. 55, S. 257–259.
(63) Der Vertrag von Craiova (1940), durch den die Dobrudscha endgültig in einen rumänischen Nordteil und einen bulgarischen Südteil geteilt wurde, führte zu einer ethnoterritorialen Entmischung von Bulgaren und Rumänen in der Region, die mit dem diplomatischen Euphemismus »Bevölkerungsaustausch« umschrieben wurde. Innerhalb von drei Monaten mussten daraufhin rund 100 000 Rumänen, darunter auch die Aromunen, die Süd- und etwa 61000 Bulgaren die Norddobrudscha verlassen. Die Aromunen wurden nach den Balkankriegen in der 1913 von Bulgarien annektierten Süddobrudscha überwiegend aus Makedonien, Griechenland und Albanien angesiedelt, um die zum Teil in die Türkei ausgewanderten Tataren und Türken zu ersetzen, aber besonders um die nur in geringer Anzahl vorhandene rumänische Bevölkerungsgruppe zu stärken. Vgl. Sallanz, Bedeutungswandel von Ethnizität, Anm. 2, S. 68–72.
(64)  Vgl. den Bericht von Hieronymus Menges: Die Rückkehrer des Jahres 1945. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 15 (1970), S. 71–74, hier S. 74.
(65)  Vgl. Jachomowski, Die Umsiedlung, Anm. 46, S. 203.
(66)  Die Zahlen umfassen die nach Kriegsende lebenden Personen, vgl. ebenda, S. 203.
(67)  Die Landsmannschaft »verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke […],
und zwar insbesondere durch Wahrnehmung, Förderung und Vertretung aller wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Belange der Dobrudscha- und Bulgariendeutschen«. Vgl. § 2 der Satzung der Landsmannschaft, in: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 7 (1962), S. 65–66. Ausführlicher zu den Organisationen und Institutionen der Dobrudschadeutschen vgl. Kotzian, Die Umsiedler, Anm. 43, S. 278–281.
(68)  Zu den Anfangsjahren der Dobrudschadeutschen in Süddeutschland, vgl. Karl Rüb: Erinnerungen an die Notjahre 1945– 1948. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 7 (1962), S. 43–61.
(69)  Vgl. Theophil Hopp: Von Fachria in der Dobrudscha zur Fachria-Siedlung in Nordhausen im Kreise Heilbronn. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 6 (1961), S. 182–186.
(70)  Vgl. Wilhelm Brenner (aus Fachria): Als Umsiedler zwischen 1940 und 1945. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 7 (1960), S. 107. Die Sehnsucht nach der »alten Heimat« formuliert Brenner im gleichen Bericht (S. 96–97) folgendermaßen: »Von meinen Nachbarn habe ich niemanden in der Nähe. In unserem Wohnblock benutzen fünfzehn Familien den gleichen Eingang, doch besucht keiner den anderen, man kennt sich kaum und ist am Ergehen der anderen nicht interessiert. Wie ganz anders wäre es, wenn nun fünfzehn Dobrudschaner Familien zusammen wohnen würden, es wäre bestimmt schnell eine geschlossene Gemeinschaft geworden.«
(71) Zu Otto Klett vgl. Müller, Ostdeutsches Schicksal, Anm. 55, S. 315–318.
(72) Vgl. Otto Klett: Vorwort. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 1 (1956), S. 5–6.
(73) Zudem hat die Landsmannschaft der Dobrudscha- und Bulgariendeutschen zwei Bildbände herausgegeben: 
Landsmannschaft der Dobrudscha- und Bulgariendeutschen (Hg.): Heimatbuch der Dobrudschadeutschen 1840–1940. Heilbronn [1986]; Albert und Gerlinde Stiller-Leyer (Hg.): Lebensweg der Dobrudschadeutschen in Bildern. 1840– 1940–1990. Heilbronn 1992.
(74) Vgl. Müller, Ostdeutsches Schicksal, Anm. 55, S. 319–320.
(75) Vgl. http://www.recensamantromania.ro/rezultate-2, Tabelle 8 sowie das Interview mit Walter Rastätter, Vor
sitzender des Zentrumforums Konstanza innerhalb des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, in: Josef Sallanz (Hg.): Die Dobrudscha. Ethnische Minderheiten – Kulturlandschaft – Transformation. Ergebnisse eines Geländekurses des Instituts für Geographie der Universität Potsdam im Südosten Rumäniens. Potsdam 2005 (Praxis Kultur und Sozialgeographie 35), S. 96–99.