Das ehemalige österreichische Kronland in einer Ausstellung des Wien Museums

Das Wien Museum spürte vom 26. März 2015 bis 30. August 2015 dem »Mythos Galizien« nach. Der Besucher wurde mit auf eine Zeitreise genommen, die ihren Ausgangspunkt 1772 hatte, als nach der Teilung Polens eine Region an Österreich fiel, die den Namen Galizien trug. Eine Region, die bis heute noch von einer ›Aura des Mythischen‹ umgeben ist, eine Landschaft, die ebenso von Widersprüchen geprägt war wie

auch ihre Bewohner. Diese Kontrastbilder zeigten sich sowohl in der Herkunft, Kultur, Sprache und Religion als auch im gravierenden Gegensatz zwischen Arm und Reich. Das Ende des Ersten Weltkrieges bedeutete auch das Ende Galiziens als Kronland, trotzdem existiert es bis heute als historischer Raum und Projektionsfläche.

Es gelang dem Wien Museum, den Besucher schon vom ersten Moment an in seinen Bann zu ziehen – und das nicht durch überfrachtete und langatmige Texte, die sich leider so oft in Ausstellungen finden, sondern durch klug gewählte Exponate und prägnante, verständliche Einführungstexte zu den jeweiligen Abschnitten. Perspektivenreich wurden die Mythen um Galizien beleuchtet. Dabei musste der Besucher kein besonderes Vorwissen über Galizien mitbringen.

Die Aufteilung der Ausstellung auf zwei entfernt von einander liegende Räume mochte zunächst etwas befremdlich wirken und ließ einen Bruch in der Ausstellungsführung vermuten, aber es gelang den Kuratoren und Ausstellungsarchitekten schnell und geschickt, einen solchen Eindruck zu zerstreuen. Vielmehr wies ein solches Ausstellungskonzept symbolhaft auf den Bruch und Umbruch hin, den Galizien nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erlebt hatte.

All denjenigen, die noch gerne weitere Informationen zur Ausstellung »Mythos Galizien« erhalten möchten, sei der Ausstellungskatalog nachdrücklich empfohlen. Auf erschwinglichen 384 Seiten werden spannende Aspekte dieses »Mythos Galizien« noch einmal in Bild und Text aufgegriffen und erzählt.

Sarah Hummler

Mythos Galizien

 

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem International Cultural Centre in Krakau. Sie wurde vom 26. März bis 30. August 2015 im Wien Museum gezeigt. Konzept und kuratorisches Team: Jacek Purchla, Wolfgang Kos, Żanna Komar, Monika Rydiger, Werner Michael Schwarz. Ausstellungsarchitektur: Thomas Hamann.

Katalog zur Ausstellung: Mythos Galizien. Farb- und Schwarzweißabbildungen, broschierte Ausgabe, 384 Seiten, erschienen im Metroverlag.

www.wienmuseum.at

 

Zuerst erschienen in: Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Heft 2 (2015), Jg. 10 (64), Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, S. 249–250.