András Balogh: Német-magyar kulturális szótár | Rezension

András F. Balogh: Német-magyar kulturális szótár. Szász, sváb, landler, cipszer és bukovinai német nyelvű kultúra a történelemben és mindennapokban. [Deutsch-ungarisches kulturelles Wörterbuch. Geschichte und Alltag der Sachsen, Schwaben, Landler, Zipser und der deutschsprachigen Kultur der Bukowina.] (Kulturális Szótárak sorozat.) [Reihe kulturelle Wörterbücher.] Sepsiszentgyörgy: Anyanyelvápolók Erdélyi Szövetsége 2017. 164 S.

Von Angéla Deák

Das von András F. Balogh erarbeitete Wörterbuch sammelt und beschreibt die wichtigsten Begriffe aus der Geschichte, Kultur und Literatur der Sachsen, Schwaben, Landler, Zipser und Bukowinadeutschen; es stellt weiterhin die wichtigsten und einflussreichsten deutschen Persönlichkeiten sowie die bedeutendsten gesellschaftlichen Vereine und Organisationen der Deutschen einer ungarischen Leserschaft vor. Der Band verfolgt das klare Ziel, alle deutschen Sprachgruppen aus dem Gebiet des heutigen Rumäniens in ihrem kulturellen Werdegang und ihre Geschichte kurz zu präsentieren, damitŠ– laut Einschätzung des VerfassersŠ – ein erster schneller Zugang in ungarischer Sprache und eine Verständigungsbasis zu dieser Kultur vorliegen. Diese Zielsetzung wurde erreicht, die Rezensentin darf behaupten, dass die bedeutenden Persönlichkeiten von Honterus bis zu Klaus Johannis, alle herausragenden Autoren vom Unbekannten Mühlbächer bis zu Herta Müller, alle weitreichenden historischen Ereignisse von der Einwanderung bis zur Aussiedlung sowie alle repräsentativen Bauten von den diversen Wehrkirchen bis zum Brukenthal-Palais in Hermannstadt Erwähnung und kurze Würdigung finden; ebenso werden die historischen Momente kritisch beleuchtet. Der Band kann auch als eine Art Bilanz verstanden werden; es wird aufgezeigt, was die deutsche Kultur in Siebenbürgen, im Banat und teilweise auch in der Bukowina geleistet hat. Der Schwerpunkt des Bandes liegt auf der siebenbürgisch-deutschen Kultur, das heißt, dass sich die meisten Artikel auf die Siebenbürger Sachsen, auf die traditionelle Alltagskultur, auf Schriftsteller und Dichter sowie auf Politiker und historische Persönlichkeiten auf dem ehemaligen Sachsenboden beziehen. Die Artikel sind höchstens ­10–15 Zeilen lang, sodass nur das Wesentliche zusammengefasst werden konnte. Die Kürze, die sich aus dem Wörterbuch-Charakter ergibt, führte jedoch in manchen Fällen zu groben Vereinfachungen wie beispielsweise im Falle des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde, wobei das Schlagwort das Gründungsjahr, die Publikationsreihen und die diversen Namensformen des wissenschaftlichen Vereins angibt, nicht aber die bearbeiteten Themen oder die Führungspersönlichkeiten.

Das Wörterbuch wurde zwar von András F. Balogh geschrieben, ist aber das Resultat einer gemeinsamen Anstrengung. Das Konzept wurde von Attila Beno und János Péntek, den Reihenherausgebern, erarbeitet, fachwissenschaftliche Zuarbeit wurde von Stefan Sienerth, Erika Schuster, Robert Offner, Horst Schuller Anger, Heinz Acker und von der inzwischen verstorbenen Krista Zach geleistet. Auch dieses Wörterbuch folgt der Struktur der Reihe, kann aber durchaus als eigenständiges Werk verstanden werden. Nach der notwendigen Einführung, die die fließenden Grenzen in der behandelten Region erklärt, folgen die Erläuterung der Abkürzungen und die Hinweise zur kompliziert erscheinenden Artikelstruktur, die viele sophistisch gekennzeichnete Querverweise enthalten. Die 645 Schlagwörter sind alphabetisch geordnet. Am Ende des Bandes steht eine Bibliografie, sodass man sehen kann, dass der Autor mit den neuesten und grundlegenden Büchern (von Konrad Gündisch, Harald Roth, Ulrich A. Wien etc.) gearbeitet hat. Ganz praktisch ist das Wort- und Namensregister, das die Artikel in ­19 Themenkreise gruppiert. Daraus ist der Kulturbegriff des Autors ersichtlich, gleichzeitig wird ein Überblick geschaffen und eine zielgerichtete Suche ermöglicht. Diese Ausgabe entstand als Fortsetzung jener Bände, die den rumänisch-ungarischen Dialog fördern und einen Impuls für das gegenseitige Kennenlernen geben wollten. Das Projekt der Babeș- Bolyai-Universität Klausenburg (rum. Cluj-Napoca, ung. Kolozsvár) stärkte gleichzeitig das sprachliche Bewusstsein der ungarischen Sprecher dadurch, dass es die ungarische, rumänische und deutsche Kultur miteinander konfrontierte und auf die Divergenzen hinwies. Der mittlerweile abgenutzte Begriff »Kulturvermittlung « wurde mit neuem Inhalt gefüllt, und zwar wurden die miteinander nicht kompatiblen Kulturerscheinungen oder die kontroversen Deutungen aufgezeigt. Ein passendes Beispiel aus diesem Buch stellt der kurze Artikel über Stephan Ludwig Roth dar, der in den ungarischen Geschichtsbüchern – wenn überhaupt – nur als unbedeutender Landesverräter erscheint. Im vorliegenden Band wird Roth im sächsischen Selbstverständnis als unschuldige Person und als Märtyrer dargestellt (S. 105).

Der Band scheut sich nicht, (auch falsche) Mythen der Region anzugehen: Bekanntermaßen ist Siebenbürgen in der ungarischen Kultur ein Mythos mit vielen Komponenten. Durch die Schlagwörter des Wörterbuchs wird ersichtlich, dass diese Region für die Deutschen ein anderer Mythos war, sie wurde als »süße Heimat« der Toleranz und der gegenseitigen Anerkennung wahrgenommen, die aber für immer verloren ging. Der Verfasser zeigt die deterritorialisierte Identität der in die BRD ausgewanderten Menschen auf, diese Identität wird dort weiter gepflegt; so wurden in das Wörterbuch auch jene Begriffe (wie Weltdachverband der Donauschwaben, S. 135) aufgenommen, die sich auf das Leben der Ausgewanderten beziehen.

Siebenbürgen wurde im 20. Jahrhundert Teil von Rumänien. Diese historisch- politische Realität bestimmte die Lebenslage der deutschen Bevölkerung, der Sachsen, die traditionell eigentlich nur in Siebenbürgen gelebt haben. Sie kamen durch den Rahmen, den der rumänische Staat schuf, in Kontakt mit dem Banat, dem Partium und der deutschjüdisch geprägten Bukowina. Es entstanden neue kulturelle Kontexte, die die alte Kultur der Sachsen beeinflussten: Wer kennt heute noch die Begriffe Hungarusbewusstsein, grüne oder schwarze Sachsen? Der Autor hätte auch noch weitere historische Begriffe dieser Art erklären sollen, etwa Zement oder Stuhl, die im Mittelalter keine Gegenstände, sondern politische Begriffe der Sachsengeschichte waren. Auch wenn der Leser manches vermissen kann, präsentiert sich das Wörterbuch als eine kompakte Einführung in die Kultur der deutschen Sprachgruppen.

Das Ziel des Werks bestand in der Vermittlung der Narrative der Identität: Historische Schlüsselbegriffe, Emotionen, Lebensgefühle und Traditionen erscheinen in ihren Kontexten, ein repräsentatives Bild der Vielfalt wird geboten, Zusammenhänge werden aufgedeckt. Aus der Sicht der ungarischsprachigen Leser öffnet sich eine parallele Welt mit zahlreichen Gemeinsamkeiten, die die Selbstwahrnehmung korrigieren. Hierzu nur ein Beispiel: Viele Ungarn meinen, ihre Tanzkultur sei in der Region am meisten entwickelt – liest man die vielen Benennungen der deutschen Tanzarten vom »jungsächsischen Tanz« bis zur »Reklich Mäd«, die mangels passender Wörter nur grob übersetzt werden konnten, bekommt man den Eindruck, dass beide Tanzkulturen sehr stark entwickelt waren, die Tanzkultur der Deutschen bleibt keinesfalls im Schatten der ungarischen, so wie das ungarische Vorurteil es meint. So trägt das Wörterbuch zur ungarischen »Wissenserweiterung« bei.

Das Wörterbuch erreicht das von der ganzen Reihe gesetzte Ziel, es bietet dem interessierten Leser eine präzise Einführung in die Kultur und Geschichte der deutschen Sprachminderheiten, blickt in die Vergangenheit zurück und präsentiert auch jene wenigen Erscheinungen, die von der Zukunft der deutschen Kultur im Donau-Karpaten-Raum zeugen wie Vereine, Institutionen, die die gemeinsame Identität pflegen (zum Beispiel Heimatortsgemeinschaft, Siebenbürgen- Institut, Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde), oder Politiker (zum Beispiel Horst Köhler, Klaus Johannis), die an der Verwirklichung von guten Ideen arbeiten.

 

Erschienen in: Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Heft 2 (2019), Jg. 14 (68), Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, S. 113–115.

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