Laura Gabriela Laza: Baumeister war die Angst | Rezension

Laura Gabriela Laza: »Baumeister war die Angst.« Die politischen Prozesse rumänischer und deutschsprachiger Schriftsteller aus Rumänien nach dem Ungarnaufstand von 1956. Cluj-Napoca: Casa Cărții de Știință 2017. 272 S.

Von Corneliu Pintilescu

Die vorliegende Abhandlung, die 2014 als Dissertation an der Friedrich-Schiller- Universität Jena angenommen wurde, gehört zu einer Reihe von Untersuchungen zu den repressiven Maßnahmen des kommunistischen rumänischen Regimes nach dem Ungarnaufstand von 1956, die nicht selten mit der Inszenierung eines politischen Prozesses endeten. Zu diesen Arbeiten zählen u. a. die Monografien von Stelian Tănase[1], Marius Oprea[2], Corneliu Pintilescu[3] oder Sven Pauling[4]. Die Veröffentlichung solcher Abhandlungen sowie die stufenweise Übergabe der Archive des ehemaligen Geheimdienstes an die Behörde zur Aufarbeitung der Securitate-Unterlagen (rum. Consiliul Naţional pentru Studierea Arhivelor Securităţii, CNSAS) und der Zugang zum Archivgut haben zahlreiche Debatten um die Methoden und Strategien der Securitate entfacht und die Identifizierung früherer IM begünstigt. Gleichzeitig ist Lazas Arbeit eine gut dokumentierte Untersuchung zum aktuellen Thema des Verhältnisses von Schriftstellern zum kommunistischen Regime.

Den ausführlichen Fallstudien geht ein einleitender methodischer Teil voraus, der die theoretischen Begriffe der Analyse definiert bzw. den Forschungsstand schildert und die Quellen präsentiert. Auf den Einfluss des Ungarnaufstands von 1956 auf rumänische Intellektuelle wird näher eingegangen. In diesem Kontext stehen auch die Durchsetzung des sozialistischen Realismus als Programm im Fokus sowie die literarischen Kreise, die Differenzierung zwischen Dissidenz, Opposition und Widerstand und die Beschreibung des Zensur- Phänomens im Rumänien der 1950er- Jahre. Die Analyse bezieht sich auf den rumänischen Literaturbetrieb und geht auf die Besonderheiten der deutschsprachigen Literaturszene in Rumänien ein.

Die den größten Teil der Untersuchung ausmachenden Fallstudien beleuchten die Beziehungen zwischen rumänischen und deutschsprachigen Autoren sowie deren Verhältnis zum kommunistischen Regime. Ausgehend von den Unterlagen aus dem Archiv der CNSAS analysieren die Kapitel drei bis acht die literarischen Texte dieser Schriftsteller und ihre Rolle im Gerichtsprozess. Dabei fokussiert die Autorin auf die Primärtexte, die Protokolle der Verhöre und die Gerichtsverhandlungen.

Die Fallstudien sind den deutschsprachigen Autoren Wolf von Aichelburg, Hans Bergel und Georg Scherg gewidmet, des Weiteren den rumänischen Schriftstellern Ion Desideriu Sîrbu und Constantin Pillat. Die komparatistische Perspektive stellt das Fundament des letzten Kapitels dar, in dem die Autorin die politischen Prozesse als Phänomen in den Vordergrund rückt. Der Band schließt mit einem Anhang, der die Biografien der Autoren sowie Securitate-Unterlagen beinhaltet.

Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Dokumentensammlung und operiert mit einer Reihe von klar definierten Konzepten, sodass eine komplexe Analyse der Unterdrückungspraktiken des Regimes gegen Intellektuelle erfolgt. Ein Novum stellt der interdisziplinäre Charakter der Untersuchung dar, indem literatur- und geschichtswissenschaftliche Ansätze miteinander kombiniert werden. Die Autorin hat richtig erkannt, dass die Literaturkreise der 1950er-Jahre eine wichtige Rolle in der Umgehung kulturpolitischer Vorgaben und der Zensur gespielt haben. Man hätte sich jedoch mehr auf die Art, wie die Entwicklung dieser Gruppen von den Machthabern aufgenommen wurde, konzentrieren können, da sie der direkten Kontrolle der staatlichen Kultureinrichtungen entkamen. Mitte der 1950er-Jahre florierten diese Schriftstellerkreise und wurden vom kommunistischen Regime in den »Tauwetterjahren« toleriert, um dann, nach dem Ungarnaufstand von 1956, als ein Medium des Widerstands der Jugendlichen angesehen und streng verboten zu werden.

Die Fallstudien beinhalten Einblicke in die Biografie und das Werk der untersuchten Autoren, sodass das Umfeld ihrer Bildung und Wirkung ersichtlich wird. Darüber hinaus werden ihre Beziehungen zum damaligen Regime und ihre Positionierung zum offiziellen Kanon des sozialistischen Realismus analysiert.

Ein Verdienst der Arbeit ist es, dass sie untersucht, wie die Staatspolizei die Interpretation literarischer Texte manipulierte, um Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Autoren zu rechtfertigen.

Da die Fallstudien vergleichend vorgehen, kann die Autorin schlussfolgern, dass es einen gemeinsamen Punkt in den Anklageschriften der Staatspolizei gab: Den Schriftstellern wurde vorgeworfen, durch ihr Schreiben das Regime sabotieren zu wollen (S. 203). Manchen Autoren wurden zudem ihre Vergangenheit und ihre »ungesunde« soziale Herkunft angelastet.

Obwohl die untersuchten Werke viele Elemente beinhalten, die mit dem offiziellen Kanon nicht im Einklang standen, ist es offensichtlich, dass sie die Sicherheit des Regimes nicht hätten sabotieren können. Diese Anklage wurde konstruiert, um die Unterdrückungsmaßnahmen zu legitimieren. Wie die Autorin richtig hervorhebt, war eben dies die Strategie der Untersuchungsführer: die literarischen Texte forciert zu politisieren, indem ihnen »subversive« Inhalte zugeschrieben wurden (S. 203). Das Einbeziehen der Vergangenheit bzw. der sozialen Herkunft der Angeklagten war nach sowjetischem Modell eine gängige Praxis (S. 205).

In ihrem Fazit hat Laura Gabriela Laza das Ziel dieser politischen Prozesse unterstrichen: die Erstickung jeder Art der kritischen Artikulierung gegen die Kulturpolitik des Regimes, das Blockieren der Zirkulation von Ideen und Texten sowie die Vernichtung und Marginalisierung kultureller Medien, die die kommunistischen Machthaber als bedrohlich empfanden.

[1] Stelian Tănase: Anatomia mistificării [Die Anatomie der Irreführung]. Bukarest 2003.

[2] Marius Oprea: Adevărata călătorie a lui Zahei: V. Voiculescu şi taina Rugului Aprins [Die wahre Reise des Zahei: V. Voiculescu und das Geheimnis der Gruppe Rugul Aprins]. Bukarest 2008.

[3] Corneliu Pintilescu: Procesul Biserica Neagră – 1958 [Der Schwarze-Kirche-Prozess – 1958]. Kronstadt 2008.

[4] Sven Pauling: »Wir werden Sie einkerkern, weil es Sie gibt!«. Studie, Zeitzeugenberichte und Securitate- Akten zum Kronstädter Schriftstellerprozess 1959. Berlin 2012.

 

Erschienen in: Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Heft 1 (2019), Jg. 14 (68), Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, S. 111–112.

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