So tönte es mir aus einer Rauchwolke entgegen, als ich vor rund zweieinhalb Jahren erstmals einem damals noch nicht allzu lange im Ruhestand befindlichen Kollegen begegnete, der das IKGS als ehemaliger Mitarbeiter und gegenwärtiger Gast beehrte. Ironisch und vieldeutig, wie es seine Art ist, meinte er das wohl als Warnung und Verheißung zugleich: Pass auf, die wirst du nicht mehr los, die deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas. Ich dachte bei »regional« jedoch eher an glückliche, freigrasende Milchkühe, jene neuentdeckten Apfelsorten mit schlechter Optik und bestem Geschmack, nachhaltig produzierte Speckschwarten und eine Welt der kurzen Wege. Nun, mein launig-launischer Kollege und ich, wir stammen offensichtlich aus unterschiedlichen Zeiten und verschiedenen Welten. Und doch ist es selbst bei solch einem Clash of Civilizations nicht schwer, sich auf die Einmaligkeit des Donau-Karpaten-Raumes, das Bewahrens- und Schützenswerte seiner Menschen und ihrer Kultur, zu einigen. Womit wir auch schon beim Thema wären: Ab nun können die geneigte Leserin und der geneigte Leser sich in den Spiegelungen auch über Wissenschaft und Literatur hinaus zu den Aktivitäten im Bereich der Kultur und Geschichte aus dem, zum und im Donau-Karpaten-Raum informieren.

Nun ist dies eigentlich keine völlig neue Sache – schon seit den Zeiten der Südostdeutschen Vierteljahresblätter, in deren publizistischer Tradition die Spiegelungen – manchmal nolens, manchmal volens – stehen, boten regelmäßig Einblicke ins Kulturleben des Homo Danubiano-Carpathiensis (der er in der Regel unabhängig von seinem Aufenthaltsort bleibt). Ab nun werden wir solche Texte und Kontexte fein säuberlich in einem umfassenden Kulturteil bündeln, den man in dezenter Selbstüberschätzung auch »Feuilleton« nennen könnte. Und warum auch nicht? Was vor wenigen Jahrzehnten lediglich als eine Szenerie des Randes wahrgenommen wurde, schob sich seit dem eher versehentlich angekündigten Ende der Geschichte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in die Mitte Europas. (Oder war es Europa selbst, das in die Mitte rückte?) Der Homo Danubiano-Carpathiensis war zwar einst in der »Fünften Kolonne Hitlers« mitmarschiert (nicht alle, nicht immer), brachte aber andererseits, später und freilich über schmerzhafte Umwege, eine Literatur hervor, die mancher wertschätzend, mitunter nur generös, gar als die »fünfte deutsche« bezeichnete (nicht jeder, nicht jederzeit). Wir stellen also fest: Deutsche aus Ostmittel- und Südosteuropa tragen heute nicht mehr nur die Last der Geschichte, sondern Nobelpreise und Präsidentenschärpen.

Seien Sie also versichert, verehrte Leserschaft, unsere regionalen Produkte sind handverlesen und vielfältig wie das Angebot am Hermannstädter Wochenmarkt: Regisseurin Claudia Funk berichtet über die Dreharbeiten zu ihrem Film, in dessen Mittelpunkt die Bewohner eines siebenbürgischen Altenheims stehen (oder sitzen), Hans Dama nimmt uns mit auf eine Karpatenreise, Wilhelm Droste stellt den Wiener Nischenverlag vor, und Frieder Schuller schildert – gleichsam im Krebsgang – ganz besondere Momente der dunkelroten Epoche. Die Intendantin der Deutschen Bühne Ungarn kommt zu Wort, Jubilare und Preisträger werden gelobt, Verstorbene gewürdigt, Bücher besprochen. Niemals werden wir es schaffen, ein vollständiges Bild dieses faszinierenden Raumes und seiner Menschen zu zeichnen. Wir arbeiten aber hart und mit viel Freude daran, Ihnen ein erbauliches und erschwingliches Sortiment zu offerieren. Greifen Sie zu!

Ihr regionaler Nahversorger

Florian Kührer-Wielach

 

Zuerst erschienen in: Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Heft 2 (2015), Jg. 10 (64), Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, S. 203–204.