Von Gustav Binder

Vom 22. bis 24. November 2019 fand in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen ein Wochenendseminar der Akademie Mitteleuropa in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für siebenbürgische Landeskunde (AKSL) sowie der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg (rum. Cluj-Napoca, ung. Kolozsvár) zur Stadt- und Kulturgeschichte Klausenburgs   statt. Die Tagung wurde maßgeblich vom Vorsitzenden des AKSL. Ulrich Andreas Wien vorbereitet und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert. Es nahmen 115 ehemalige und heutige Klausenburger Studenten, Lehrer und Hochschullehrer und weitere interessierte Personen  teil. Das unerwartet hohe Publikumsinteresse war erstaunlich, zumal in der jüngsten Vergangenheit stets nur eine kleine deutsche Minderheit dort gelebt hat. Aber die zweitgrößte Universität Rumäniens zog zahlreiche deutsche Studierende, Siebenbürger Sachsen und Banater, an, die sich in Literaturzirkeln, Theatergruppen oder Chören organisierten und auch in den kommunistischen Zeiten geistige und kulturelle Freiräume schufen. Ein ehemaliger Klausenburger Studentenchor, die Cantores Vivaces, der sporadisch noch zu Proben oder Tourneen zusammenkommt, gab während der Veranstaltung Kostproben seines multikulturellen Repertoires.

Es referierten: Cosmin Rusu: Zur Geschichte kleinerer ethnischer Gruppen in Klausenburg; Szilárd Ferenczi: Die Entwicklung Klausenburgs und die städtischen Eliten im 19. und frühen 20. Jahrhundert; Albert Zsolt Jakab: Hungarian and Romanian Memory Construction in Cluj in the 19th –20th Centuries; Konrad Gündisch: Die Rolle Klausenburgs in der sächsischen Erinnerungskultur; Wilfried Schreiber: Kulturgeographischer Stadtrundgang durch Klausenburg; Robert Nagy: Die Entwicklung Klausenburgs zum siebenbürgischen Industriezentrum seit 1867; András F. Balogh: Die Rolle der Klausenburger Germanistik im rumäniendeutschen Literaturbetrieb 1919–2019; Lesung von Joachim Wittstock aus dem Werk Die uns angebotene Welt; Robert Offner: Ärzte und Apotheker in Klausenburg vom 15. bis 19. Jahrhundert; Edit Szegedi: Zur Kirchengeschichte Klausenburgs. Es ist an eine Publikation der Beiträge in der Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde vorgesehen. Die Reihe der Städteporträts der Akademie Mitteleuropa soll fortgesetzt werden.