Von Gustav Binder

Vom 6. bis 8. Dezember 2019 fand in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen eine Wochenendveranstaltung der Akademie Mitteleuropa in Zusammenarbeit mit dem Verein der Freunde der Lenauschule Temeswar sowie dem Kultur- und Dokumentationszentrum der Banater Schwaben in Ulm zur Stadt- und Kulturgeschichte von Temeswar (rum. Timişoara, ung. Temesvár) statt. Die Tagung wurde maßgeblich von Halrun Reinholz vorbereitet und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert. Es nahmen rund 55 Personen aus dem In- und Ausland am Seminar teil, die meisten mit persönlichen Bezügen zu Temeswar.

Anlass der Veranstaltung war die Wahl Temeswars zur Europäischen Kulturhauptstadt 2021. Die Stadt war über Jahrhunderte bis in die Gegenwart ein multiethnisch, multikonfessionell und vielsprachig geprägter Ort. Es gibt nach wie vor in der Stadt angesehene deutschsprachige Bildungs- und Kultureinrichtungen: die Lenau-Schule, das Deutsche Staatstheater sowie Publikationen und Rundfunksendungen in deutscher Sprache. Nicht zu vergessen das kirchliche und kirchenmusikalische Leben, das in der Stadt mit katholischem Bischofssitz von einer langen Tradition in deutscher Sprache geprägt war. Die Stadt besitzt ein anerkanntes wertvolles städtebauliches und architektonisches Erbe, vor allem aus dem Barock und der Secession.

Auf der Veranstaltung referierten: Walter Engel: Temeswar als literarisches Zentrum der Banater Deutschen. Autoren, Werke und Zeitschriften im 20. Jahrhundert; Hans-Heinrich Rieser: Temeswar. Geographische Lage und Stadtwerdung; Mihai Opriş: Das sagenumwobene „türkische Jagdschloss des Grafen Mercy“ – das Temeswarer Versailles?; Raluca Nelepcu: Die Geschichte des Schulwesens, insbesondere der Lenauschule; Eszter János: Das Bild von Temeswar im Spiegel der Temesvarer Zeitung; Franz Metz: Die Rolle von Musik und Gesang im multiethnischen Temeswar; János Szablocs: Temeswar in alten Reisebeschreibungen;  Ramona Lambing: Das touristische Potential Temeswars; Claudiu Călin: Geschichte des Bistums Temeswar. und Getta Neumann: Das jüdische Temeswar. Das Kultur- und Dokumentationszentrum der Banater Schwaben in Ulm plant eine Veröffentlichung der Beiträge in seiner Schriftenreihe.